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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2015
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Der Inhalt:

Nachgefragt: Was bringt ein neues Forum für Muslime?

von Britta Baas vom 08.05.2015
Fragen an die Rechtsanwältin und Muslimin Seyran Ates zu der Initiative der Adenauer-Stiftung

Publik-Forum: Frau Ates, auf Initiative der Konrad-Adenauer-Stiftung hat sich das »Muslimische Forum Deutschland« gegründet. Es gibt schon mehrere muslimische Verbände in diesem Land. Was bringt das Forum Neues?

Seyran Ates: Wenn man mich gefragt hätte, ob ich das Gründungspapier mit unterzeichne, hätte ich darüber sicher mehr in Erfahrung bringen können. Das ist aber nicht geschehen. Von außen betrachtet stelle ich fest: Es ist ein Problem, dass dieses Forum eine christliche Mutter hat. Braucht es die Konrad-Adenauer-Stiftung, damit Musliminnen und Muslime zusammenkommen?

Neben den etablierten, oft eher konservativen muslimischen Verbänden gibt es seit 2010 zum Beispiel auch den Liberal-Islamischen Bund …

Ates: … und wenn die Stiftung eine Reform des Islams in Deutschland vor Augen haben sollte, hätte sie ja zum Beispiel einfach den Liberal-Islamischen Bund unterstützen können. Dafür hat sie sich aber nicht entschieden, sondern neben Sunniten und Schiiten auch Aleviten, Jesiden und Christen zusammengeholt. Mir ist nicht ganz klar, wohin die Reise geht. Für Demokratie und Menschenrechte zu sein – wie es das Forum ist –, reicht ja nicht aus, um einen Reformansatz zu machen. Will man etwa indirekt sagen, dass die Mehrheit der Muslime in Deutschland nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht?

Über Jahre ist die Regierung, vertreten durch ihren Innenminister, in der Islamkonferenz mit vielen Verbandsmuslimen nicht zu Rande gekommen. Da liegt es nahe zu sagen: Die Stiftung einer Regierungspartei gründet jetzt ein neues Forum. Dann läuft’s!

Ates: Ja, genau diesen Eindruck habe ich. Aber auf diese Weise wird es eben nicht laufen. Denn so wird sich der Islam nicht reformieren. Petra Bahr, die die Abteilung »Politik und Beratung« bei der Adenauer-Stiftung leitet, langjährige Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, ist von ihrem eigenen Forum schon jetzt so überzeugt, dass sie in der »Zeit« schreibt: »Dieser Islam gehört zu Deutschland!« Ja, aber welcher soll das denn sein? Der Islam, von dem Frau Bahr redet, soll offensichtlich der deutschen Politik schmecken. Ob er auch irgendetwas in die muslimische Gemeinschaft hinein bewirkt? Ich glaube

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