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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2015
Das Verschwinden der Freiheit
Der Sozialpsychologe Harald Welzer über die Bedrohung durch Google ...
Der Inhalt:

Überfällige Kurskorrektur

In einer Denkschrift setzt sich die evangelische Kirche vom Neoliberalismus ab

Schärfer könnte die Kurskorrektur nicht sein. Setzte die sogenannte Unternehmerdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) von 2008 noch ganz auf die neoliberale Deregulierung, so lautet die Botschaft der neuen Denkschrift zur Arbeit: Deregulierung und die neoliberale Verachtung des Staates müssen überwunden werden. Unter dem Titel »Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt« wendet sich die EKD gegen Slogans wie »Sozial ist, was Arbeit schafft«. Sie kritisiert die Spaltung zwischen Arm und Reich, den ausufernden Niedriglohnsektor und die befristeten und entregelten Arbeitsverträge.

Statt das Hohelied der Deregulierung zu singen, würdigt die EKD »das Arbeitsrecht als Ausdruck der Würde der arbeitenden Menschen«. Das tut gut in Zeiten von Agenda 2010 und Hartz IV, in denen die Arbeit sozial entsichert wurde. Stattdessen fordert die Schrift anständige Löhne, Mitbestimmung und Rechte in der Arbeit – hierzulande und global. Den Unternehmen schreibt die Denkschrift ins Stammbuch: Wer global Handel treibt, muss auch global Verantwortung übernehmen.

Vor allem aber: Arbeit ist mehr als Erwerbsarbeit. Alle Formen der Arbeit sind in gleicher Weise zu würdigen: die Haus- und Familienarbeit, die Erwerbsarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit und das politische Engagement. Deshalb müssen Haus- und Sorgearbeit aufgewertet werden. Ganz in diesem Sinne fragt die Denkschrift, warum die Menschen in der Lebensmitte nicht weniger arbeiten sollten, um mehr Zeit für die Kinder zu haben.

Die EKD erinnert an das Recht der Armen in der Bibel. In dieser Tradition verankert sie ihre Botschaft: Nicht die anonymen Märkte sollen herrschen, sondern da