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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2015
Das Verschwinden der Freiheit
Der Sozialpsychologe Harald Welzer über die Bedrohung durch Google ...
Der Inhalt:

Europa tappt im Dunkeln

Kann man Flüchtlinge davon abhalten, die gefährliche Fahrt übers Mittelmeer zu wagen, um nach Europa zu gelangen? Und wenn ja, wie?

Es klingt wie ein Mantra: »Die Bedingungen in den Herkunftsländern müssen verbessert werden.« Diesen Satz sagen Politiker gerne, wenn sie auf das Thema Flüchtlinge angesprochen werden. Wie genau das gehen soll, sagen sie nicht. Gebetsmühlenartig wird auch auf die notwendige Zusammenarbeit mit Staaten wie Libyen verwiesen – ohne zu erwähnen, dass Libyen ein gescheiterter Staat ist, in dem sich bewaffnete Clans bekriegen. Mit wem soll die EU da kooperieren?

Die Wahrheit ist: Europa tappt im Dunkeln. Äußerungen von Politikern, aber auch von Experten aus Flüchtlingsorganisationen wirken oft unbedacht, ihre Ideen sind in der Praxis nur schwer umsetzbar. So ist seit mehr als zehn Jahren wieder die Rede von Aufnahmelagern in Nordafrika, in denen Flüchtlinge einen Asylantrag stellen können sollten. Auf diese Weise bliebe ihnen der gefahrvolle Weg übers Mittelmeer erspart, argumentiert beispielsweise Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Doch was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, entpuppt sich auf den zweiten als »Nebelkerze«, wie Pro Asyl das Vorhaben bezeichnet. Zu viele ungeklärte Fragen, europarechtlich nicht haltbar, menschenrechtlich ein Desaster, warnen Kritiker. Verantwortung würde ausgelagert, empören sich Menschenrechtsaktivisten. Auch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) erteilte dem Vorschlag jüngst eine klare Absage: Unrealistisch und völlig illusorisch sei es, beispielsweise in Libyen ein menschenwürdiges Asylprogramm aufbauen zu wollen.

Realistischer erscheint da schon die Forderung, die der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung erhebt: Christoph Strässer will eine deutliche Auswe