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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2015
Das Verschwinden der Freiheit
Der Sozialpsychologe Harald Welzer über die Bedrohung durch Google ...
Der Inhalt:

Zuwandern nach Punkten

von Barbara Tambour vom 08.05.2015
Von Kanada lernen? Nicht nötig. Deutschland hat längst ein liberales Einwanderungsrecht. Nur weiß das niemand

Alle wollen von Kanada lernen. Es gilt als Vorbild für eine transparentes Einwanderungssystem. Deutsche Politiker reisen derzeit dorthin, um mehr über das Punktesystem zu lernen. Überflüssig, meinen Experten. Deutschland habe es gar nicht mehr nötig, bei anderen Nachhilfe in Zuwanderungspolitik zu nehmen. Mit den Zuwanderungsmöglichkeiten für Fachkräfte habe sich Deutschland – auf der rechtlichen Ebene – in die Riege fortschrittlicher Einwanderungsländer eingereiht. Das erklärte der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration kürzlich in seinem Jahresgutachten 2015.

Das Problem dabei: Das weiß fast niemand. Die deutsche Bevölkerung nicht, die zusammen mit ihren Politikern noch darüber diskutiert, ob Deutschland nun ein Einwanderungsland ist oder nicht, und vor allem die potenziellen Zuwanderer in Afrika oder Südosteuropa nicht.

Welche Möglichkeiten legaler Einwanderung gibt es? Am einfachsten haben es Hochqualifizierte wie Ärzte oder Ingenieure. Sie können eine Blaue Karte EU beantragen, vorausgesetzt sie legen einen Arbeitsvertrag für einen Job in Deutschland vor, bei dem sie mindestens 37 000 Euro brutto im Jahr verdienen. Für die Arbeitssuche können sie ein sechsmonatiges Jobsucher-Visum beantragen. Ausländische Studenten, die noch vor wenigen Jahren nach Studienende unerbittlich das Land verlassen mussten, haben mittlerweile 18 Monate Zeit, einen Job zu finden, und so lange eine Aufenthaltserlaubnis. Die bekommt auch, wer in Deutschland eine betriebliche Ausbildung machen möchte. Auch Fachkräfte ohne Hochschulabschluss können – sofern ihnen ein Jobangebot in einem Mangelberuf, etwa in der Pflege, vorliegt – in Deutschland arbeiten.

Doch es genügt nicht, sagen die Experten im Jahresgutachten 2015, »neue migrationspolitische Instrumente zu entwickeln und zu implementieren, man muss diese auch bekannt machen und die Botschaft in die Welt tragen, dass Deutschland ein modernes Einwanderungsland ist, dessen Türen den Talenten der Welt offenstehen«.

Das mit den Talenten stimmt freilich nur bedingt: Nur wer schon eine Ausbildung oder einen Studienabschluss hat, über Berufserfahrung verfügt und einen gutbezahlten Arbeitsvertrag vorlegt, kann durch diesen schmalen Korridor legal einwandern. Den »jungen Talenten« aus Gambia, Somalia oder Serbien, die mutig und ehrg

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