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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2015
Das Verschwinden der Freiheit
Der Sozialpsychologe Harald Welzer über die Bedrohung durch Google ...
Der Inhalt:

Ein Abbild der Großen Koalition?

von Michael Hollenbach vom 08.05.2015
Der Kirchentag drängt politisch zur Mitte und sucht Kontakt zu den Evangelikalen. Kritiker vermissen die prophetische Systemkritik

Ein »Friedenskirchentag« soll das evangelische Laientreffen werden, das vom 3. bis zum 7. Juni in Stuttgart stattfindet. Vielleicht meint Kirchentagspräsident Andreas Barner damit vor allem den innerprotestantischen Frieden. Denn der Kirchentag – einst Aushängeschild des kritischen und linksliberalen Protestantismus – schließt offenbar seinen Frieden mit den theologisch konservativen Evangelikalen. So findet zum ersten Mal parallel zum Kirchentag am Fronleichnamstag auch der pietistische »Christustag« statt.

Neben der organisatorischen Annäherung hat sich auch eine inhaltliche vollzogen: So will man unter anderem mit den Evangelikalen über unterschiedliche Bewertungen der Homosexualität ins Gespräch kommen. Ellen Ueberschär, die Generalsekretärin des Kirchentages, spricht davon, dass »die Zeit der innerprotestantischen Abgrenzungen« vorbei sei. Man müsse eine »Form der Koexistenz« finden.

Beispielhaft dafür ist der Umgang mit den sogenannten »messianischen Juden«. Bislang hatte der Kirchentag ein Auftreten dieser Gruppe auf dem Laientreffen stets abgelehnt. Das hat sich geändert. Zwar erhalten die messianischen Juden, die an Jesus als den Messias glauben, auch in Stuttgart keinen Platz auf dem »Markt der Möglichkeiten«; doch will man zugleich in einem »theologischen Gespräch« der Frage nachgehen, was messianisches Judentum bedeutet.

Für Armin Bachor, den theologischen Leiter des Evangeliumsdienstes für Israel, ist das eine Erfolgsmeldung: »Diese Veranstaltung ist der hoffnungsvolle Beginn eines Trialogs, in dem Kirche, Synagoge und das Bindeglied messianische Juden miteinander ins Gespräch kommen. Das ist großartig. Und das Ziel ist, dass der Mes sias wieder zu einem Thema in einem rein innerjüdischen Gespräch wird.«

Obwohl sich der Kirchentag bereits 1999 gegen jede Form der Judenmission auf dem evangelischen Laientreffen ausgesprochen hatte, öffnet man nun über die messianischen Juden diese Tür. Denn nichts anderes als Judenmission propagiert Armin Bachor, wenn er sagt: »Jeder Mensch, insbesondere jüdische Menschen, sollten die Chance haben zu hören, dass Jesus der für die Sünden seines Volkes leidende und sühnende Messias ist.« Das Zeugnis von Jeschua, dem Retter Israels, sei ja keine Erfindung der Kirche, sondern stehe schon in den hebräischen Schriften des Judentums.

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