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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2013
Die Suchbürger
Evangelischer Kirchentag: Offen, freundlich, unentschieden
Der Inhalt:

Zwischen Angst und Zuversicht

von Bettina Rühl vom 17.05.2013
In Kenia wurden Kirchen von islamistischen Terroristen angegriffen. Nun bemühen sich Christen und Muslime gemeinsam darum, dass der Friede zwischen ihnen anhält

Pastor Joseph Mutunga geht vorsichtig in die Mitte der Kirche. Erwartet er noch immer Unheil? Vielleicht erweist der Pastor den Opfern des Anschlags auf diese Weise Respekt. In der Mitte der Kirche bleibt Mutunga stehen und sagt: »Die Attentäter kamen durch das Hauptportal, die Türen standen offen.«

Die Kirche, die der Pastor jetzt durchschreitet, zählt zur Africa Inland Church und steht in Garissa, einer kenianischen Stadt etwa 120 Kilometer südlich der somalischen Grenze. Jetzt ist die schlichte Halle leer, aber am ersten Sonntag im Juli 2012 war hier jeder Platz besetzt.

Beim Gang durch seine Kirche schildert Mutunga, wie er während der Predigt zwei dumpfe Aufschläge auf dem Wellblechdach hörte. Die Gemeindemitglieder wurden unruhig, und Mutunga schickte zwei Männer nach draußen. Sie sollte nachsehen, was los sei. »Da hörten wir auch schon Schüsse, und ich sah, wie sich die ersten auf den Boden warfen, um Deckung zu suchen. Also habe ich mich auch hingeschmissen.«

Dann stürmten zwei Attentäter in die voll besetzte Kirche, feuerten mit ihren Kalaschnikows in die Menge und zündeten eine weitere Granate. Einer dritter blieb draußen und tötete die beiden Polizisten, die nahe der Kirche unter einem Baum saßen und den Gottesdienst beschützen sollten. In der Kirche lagen Leichen, alles war voller Blut. In das Geschrei und die Panik hinein kamen die ersten Helfer. Die Terroristen waren da längst weg. Sie sind bis heute nicht gefasst.

Auch nach dem Mordanschlag auf die Gottesdienstbesucher wirkt Garissa wie eine friedliche Stadt. In den belebten Straßen tragen die meisten Männer die langen Gewänder der Muslime, die Frauen Kopftücher und weite Gewänder, die meisten in bunten afrikanischen Farben. Die schwarzen Stoffe arabischer Frauen sind die Ausnahme, und kaum eine verschleiert ihr Gesicht.

Christen sind hier in der Minderheit, meist sind es Zugezogene aus anderen Teilen Kenias. Die Einheimischen sind Muslime und ethnische Somali, genauso wie die Menschen im zerstörten Somalia, jenseits der Grenze. Ob jemand Somalier oder Kenianer ist, lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen.

Fast gleichzeitig wie die Africa Inland Church wurde in Garissa die katholische Kirche angegriffen. Dort gab es keine Toten. In der Africa Inland Church star

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