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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2013
Die Suchbürger
Evangelischer Kirchentag: Offen, freundlich, unentschieden
Der Inhalt:

Sag, wie hast du’s mit der Religion?

von Britta Baas vom 17.05.2013
Auch der christliche Glaube kann die Welt nur in Fragmenten erklären. Ein Zwischenruf

Das Leitwort dieses Kirchentages löst eine ganze Kette von Gedanken aus: über den Welthandel, die Gerechtigkeit unter den Menschen und die Schönheit eines genügsamen Lebens. »Soviel du brauchst«: Nicht mehr, aber auch nicht weniger soll es sein. Und was heißt das für die Religion? Wie viel davon brauchen wir?

Immer mehr Menschen in Deutschland scheinen gar keine Religion zu brauchen. Im funktionierenden Alltag lebt es sich ganz gut ohne sie. Zur Not weiß man ja, wo man Religion abholen kann, wenn sie doch einmal hilfreich erscheint: beim Pfarrer um die Ecke, der selbst dann noch nett ist, wenn man ihm erzählt, warum man die Kirche eigentlich blöd findet. Na ja, nichts für ungut, Herr Pfarrer, Sie sind ja ganz in Ordnung!

Der Abstand der Deutschen zur Religion wird größer und größer. Wer als Kind noch Religionsunterricht hatte, zur Christenlehre ging oder aus religiösem Elternhaus stammt, hat so manches verinnerlicht, was heute unsagbar scheint. Worte sind im Gedächtnis verankert, die kein vernünftiger Mensch mehr aussprechen kann, ohne sich ihrer Radikalität gegenüber fremd zu fühlen. »Solus Christus!«, »Jesus, unser Herr und Heiland, der uns erlöst hat von aller Sünde«, »Gott, der allmächtige Vater, der Schöpfer des Himmels und der Erde«: Dies sind drei Beispiele für Glaubensaussagen, die aus der Vergangenheit stammen und die christliche Tradition formen. Was sie nicht tun: die Fragen der Gegenwart beantworten. Wie kann Christus allein unser Heil sein? Wie kann ein Stellvertretertod unsere Sünden tilgen? Wie kann ein Vater im Himmel die Welt erschaffen?

Wir leben in Zeiten einer gigantischen Metamorphose des Religiösen. Was einmal Heimat war, ist keine mehr. Das Haus des Christentums ist eng geworden, und am Herd wird immer dasselbe gekocht. Dabei gäbe das große Kochbuch der jüdisch-christlichen Tradition doch ganz anderes her! Wo sind jene, die gelernt haben, dieses Buch anders zu lesen?

Es braucht Einsichten, die ein Christsein auf dem Weg in andere Zeiten möglich machen. Zu diesen Einsichten gehört: Das Christentum ist keine bessere Religion als andere. Es hat seine Wurzeln in den Glaubenswelten von Ägypten und Mesopotamien, im therapeutischen Asklepios-Kult und in Griechenland – und stellt auf seine Weise eine wunderbare Variante transzendentaler Ehrfurcht vor dem Leben dar. Die christliche Theologie könnt

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