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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2019
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Fragen an Annegret Kramp-Karrenbauer
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Ich glaube, ich werde schlechter behandelt«

von Doreen Reinhard vom 19.04.2019
Najibullah Muhebi (26) aus Afghanistan lebt in Dresden. Er hat deutsche Freunde gefunden, gleichzeitig erlebt er oft Rassismus

Die Deutschen habe ich mir früher anders vorgestellt, offener, freundlicher. Jetzt, wo ich selbst hier lebe, sehe ich manches mit anderen Augen. Gerade mache ich eine Ausbildung zum Kraftfahrer. Ich muss noch eine Prüfung bestehen, dann habe ich es geschafft. Zum Unterricht bin ich in eine Schule in eine kleine Stadt in der Nähe von Dresden gefahren. In der Klasse saßen einige Migranten wie ich, aber die meisten waren Deutsche. Es gab immer mal Streit. Oft ohne Grund, wir Ausländer wurden von den Deutschen einfach geärgert. Einmal hat einer gerufen: »Fremde raus!« Der Lehrer hat es gehört, aber nicht darauf reagiert.

Seit 2015 lebe ich mit meinen Eltern und Geschwistern in Dresden. In Afghanistan haben wir in Kabul gewohnt. Ich habe dort Umweltwissenschaften studiert und nebenbei als Verkäufer und Englischlehrer gearbeitet. Mein Vater hatte einen Lebensmittelladen, meine Mutter war Hausfrau. Unser Leben war in mancher Hinsicht ziemlich gut, aber Afghanistan war durch den Krieg nicht mehr sicher. Deshalb sind wir nach Deutschland gegangen. Zuerst haben wir keine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Gegen diese Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge haben wir geklagt und schließlich doch noch einen positiven Bescheid erhalten. Jetzt können wir erst einmal bleiben. Vieles am Leben hier finde ich schön, aber es gibt immer wieder Momente, in denen ich mich unwohl fühle. Es gibt viele Vorfälle, bei denen ich glaube, ich werde als Ausländer schlechter behandelt.

Vor einiger Zeit hatte ich einen Termin im Jobcenter. Die Frau, die dort zuständig war, hat mir gesagt, ich müsse warten. Also habe ich mich hingesetzt und gewartet, eine Stunde lang. Dann habe ich wieder gefragt, wann ich dran sei. Sie hat nur gesagt: »Du musst weiter warten.« Also habe ich noch eine Stunde gewartet. Dann habe ich ein drittes Mal gefragt. Da sagte die Frau: »Warum wartest du hier? Du musst woanders hin.« Ich habe geantwortet: »Aber Sie haben mir doch gesagt, dass ich hier warten soll.« Ich bin überzeugt: Das war kein Missverständnis. Das war Schikane.

Ich bin auch schon angegriffen worden. Ich denke, es lag daran, dass ich Ausländer bin. Letzten Sommer war ich mit Freunden in der Dresdner Innenstadt. Plötzlich kam ein Mann auf uns zu, ein Deutscher, und hat schlechte Worte zu uns gesagt. Er hat mich am Arm gepackt und wollte mich schlagen. Ich habe ihn g

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