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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2019
Wie christlich ist Ihre Politik?
Fragen an Annegret Kramp-Karrenbauer
Der Inhalt:

»Geschichte hautnah erleben«

von Annette Lübbers vom 19.04.2019
Die Studentin Elise Rüter lernt fürs Leben – in den Sommerlagern der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

Mich sozial zu engagieren, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen und meinen eigenen Horizont zu erweitern – das ist mir wichtig. 2017 habe ich das erste Mal an einem Sommerlager der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Oslo teilgenommen. Wir haben in einer Villa gearbeitet, in der ein Zentrum für Holocaust- und Minderheitenstudien untergebracht ist. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich im Jahr darauf gleich wieder angemeldet habe, für ein Sommerlager in Österreich. Wir 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus Deutschland, Österreich, Aserbaidschan, Russland, Tschechien, Polen und den Niederlanden. Gewohnt haben wir in einer Turnhalle. Unsere Aufgabe bestand darin, im Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim bei Aufräum- und Gartenaktionen zu helfen. Das Schloss war von 1940 bis 1944 eine NS-Euthanasieanstalt, in der etwa 30 000 Menschen ermordet wurden.

In einem Workshop während dieser Woche haben wir uns mit unseren Familien beschäftigt. Meine Großmutter wurde während des Zweiten Weltkriegs aus Schlesien vertrieben. Eine Teilnehmerin aus Polen ist in einem Haus aufgewachsen, in dem früher Deutsche lebten. In solchen Momenten erlebt man hautnah, dass Geschichte immer aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden kann.

Im Anschluss an dieses Sommerlager haben neun von uns noch eine Woche lang auf einem Biobauernhof gearbeitet, auf dem rund dreißig Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenleben. Das war eine tolle Erfahrung. Die Leute auf dem Hof waren sehr herzlich und unsere Hilfe auf dem Feld, in der Küche und im Garten sehr willkommen.

Tatsächlich habe ich dort viel gelernt: zum Beispiel Käse zu machen oder Kartoffeln zu ernten. Und wie achtsam und wertschätzend man miteinander umgehen kann – das haben uns die Bewohner täglich vorgelebt. Im Austausch für diese Erfahrungen habe ich gerne in Kauf genommen, in einem renovierungsbedürftigen Apartment auf der Isomatte zu schlafen.

Richtig gut finde ich, dass an den Sommerlagern nicht nur junge, sondern auch ältere Leute teilnehmen. Unsere älteste Teilnehmerin war um die sechzig. Das hob viele Gespräche, die wir untereinander führten, noch einmal auf eine andere Ebene. Auch die Gruppendynamik war dadurch eine ganz andere. Diese Sommerlager sind für mich immer zwei sehr intensive, motivierende Wochen, von

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