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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2018
Ganz allein
Wie Einsamkeit Mensch und Gesellschaft krank macht – und wie man sie heilen kann
Der Inhalt:

Mein Marx, dein Marx

Unersetzlich und unerbittlich: Am 5. Mai vor 200 Jahren wurde Karl Marx geboren. Ist das ein Grund zum Feiern?

Von mir bekommt er keine Glückwünsche! Ich habe das »Kommunistische Manifest« sehr oft gelesen, erst vor drei Wochen wieder einmal. Mir gefällt der Rhythmus; diese Sprache hat eine Frische, das muss man Marx und Engels schon lassen. Was den Inhalt angeht: Für mich sind Marx und Engels üble Demagogen gewesen. Sie waren unerbittlich darin, jegliche Opposition im linkssozialistischen Lager niederzuknüppeln. Deswegen sind die beiden mir nie sympathisch gewesen. Ich komme aus der anarchistischen Ecke und gehöre zu denen, die den Kommunismus als Idee sehr früh zu verabscheuen gelernt haben. In den Schriften von Marx und Engels habe ich sehr viel Menschenverachtung entdeckt, und damit kann ich mich nicht anfreunden. Ich halte den Marxismus für eine Verirrung und für eine furchtbare Ideologie. All die Linksintellektuellen, die Gedankengebäude lieben und sich nicht mit den Millionen Toten des roten Terrors auseinandersetzen mögen, können ja in Jubelstimmung ausbrechen, aber von mir bekommt Marx keine Glückwünsche. Schön, dass die Idee begraben ist! Hoch lebe aber der Kampf gegen die Ungerechtigkeit, der Kampf gegen den Faschismus und gegen Unterdrückung. Den hat es vor Marx gegeben, und den wird es auch nach Marx geben.

Feridun Zaimoglu, geboren 1964 in Bolu, Türkei, lebt seit mehr als dreißig Jahren in Deutschland. Er arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Zuletzt erschien von ihm »Evangelio. Ein Luther-Roman«.

Für mich ist Karl Marx einer der ganz großen Denker und der Analytiker des Kapitalismus schlechthin – Stichwort »Mehr