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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2013
Landraub
Der globale Kampf um Boden fordert Opfer
Der Inhalt:

Langsamer schrumpfen

von Udo Feist vom 26.04.2013
Das Impulspapier »Kirche der Freiheit« wollte einen Ruck in den evangelischen Landeskirchen bewirken. Ist er eingetreten? Zweifel sind angebracht. Spurensuche am Beispiel Dortmund

Religiös motivierte Menschen haben einen langen Atem aus der Kraft des Glaubens.« Worte, die man derzeit gerne hört in der evangelischen Kirche, von Margot Käßmann, der Luther-Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), erst recht. Die Reinoldi-Kirche in Dortmund war voll wie an Heiligabend, als die populäre Ex-Bischöfin dort kürzlich eine Vortragsreihe der westfälischen Kirche zum »Jahr der Toleranz« eröffnete. Jahresthemen haben die EKD-Kirchen für die gesamte Dekade bis 2017 verabredet, wenn sich Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal jährt. Die damit eingeläutete Reformation steht am Beginn der Moderne. Deutschlands Kirchen der Reformation fürchten nun angesichts von Mitgliederrückgang und sinkender Finanzkraft zu deren Marginalie abzusinken – und reden viel von Reform. Vor allem Margot Käßmann gibt Orientierung, Wärme, sie ist ein Leuchtturm.

Zwölf unternehmensstrategische »Leuchtfeuer« benennt das EKD-Impulspapier »Kirche der Freiheit« aus dem Jahr 2006. Um dem bis 2030 erwarteten Minus bei Mitgliedern (17 statt 26 Millionen) und Einnahmen (zwei statt vier Milliarden Euro) entgegenzusteuern und die Kirche handlungsfähig zu erhalten, sollte es einen Reformprozess anstoßen: durch einen »Perspektiv- und Mentalitätswechsel; geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität; Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit; Beweglichkeit in den Formen statt Klammern an Strukturen; Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit«.

Wie es im siebten Jahr um den Erfolg steht, ist schwer zu sagen. Neben einer Steuerungsgruppe wurden Stabsstellen (»Reformzentren«) und ein Projektbüro eingerichtet und Internetseiten hochgefahren. Es gab Kongresse, Tagungen und viel Papier. Doch die Zahlen der Gottesdienstbesucher und Kirchenmitglieder sind weiter rückläufig.

Margot Käßmann erlebt die Stimmung so: »Dieser Reformprozess ist für die evangelische Kirche nicht einfach. Es ist leichter, Prozesse zu gestalten, in denen es mehr Geld, mehr Menschen und einen Ausbau gibt. Zu sagen, wir werden weniger sein, noch weniger, es gibt weniger Mittel, und wir wollen gucken, wie wir glaubwürdig Kirche sind, das ist kein einfacher Prozess, der oft mit Struktur- und Finanzdebatten zu tun hat. Meinem Eindruck nach sind diese Themenjahre in Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum für viele Gemeinden hilfreich, weil sie sagen: Wi

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