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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2013
Landraub
Der globale Kampf um Boden fordert Opfer
Der Inhalt:

Interreligiöser Honeymoon?

von Katja Dorothea Buck vom 26.04.2013
Seit der Arabischen Revolution haben Dialoginitiativen in Ägypten Konjunktur. Sie verändern das Land

In der Friedenskirche im Frankfurter Stadtteil Gallus hält der evangelische Kindergarten seine wöchentliche Andacht. Dieses Mal ist eine Besuchergruppe aus Kairo mit dabei. Die sechs Christen und sechs Muslime sind für zehn Tage nach Deutschland gekommen, um sich über interreligiöses Leben in der Mainmetropole zu informieren. Als sich die rund dreißig Kinder, von denen längst nicht alle Christen sind, mit ihren Erzieherinnen und Erziehern für den Segen um den Altar stellen, reihen sich die Gäste aus Ägypten ganz selbstverständlich ein, unter ihnen Scheich Mohammad, der durch sein langes Gewand und den weiß-roten Tarbusch – die für Imame einer bestimmten Glaubensrichtung übliche Kopfbedeckung – als eher konservativer Geistlicher zu erkennen ist. Später wird er sagen, dass der Segen in einer Kirche für ihn kein Problem sei. Schließlich gehöre das zu einem Gottesdienst dazu.

In den vorangegangenen Tagen haben die Gäste aus Kairo Moscheen, evangelische und katholische Kirchen sowie die Synagoge und den buddhistischen Tempel in Frankfurt besucht. Und immer wieder haben die zwölf Ägypter untereinander über die jüngsten Vorfälle in ihrem Land diskutiert. Wenige Tage zuvor waren in El-Khusus, einer kleinen Stadt nördlich von Kairo, vier Christen und ein Muslim bei gewaltsamen Auseinandersetzungen ums Leben gekommen. Auslöser waren angeblich christliche Schmierereien an einer Moschee. Nicht nur die deutschen Medien sprachen daraufhin von religiös motivierten Straßenschlachten. Das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen habe sich seit der Revolution verschlechtert, hieß es.

Der Scheich betet in der Kirche

»Ich lehne alles ab, was mit Gewalt zu tun hat«, sagt Scheich Mohammed. Er ist Imam einer Moschee auf dem Moqattam. Der Höhenzug in Ägyptens Hauptstadt ist für zweierlei bekannt: In dem ruhigen Viertel ist es erstens immer ein bisschen kühler als im restlichen Kairo. Auf dem Moqattam befindet sich aber zweitens auch das Hauptquartier der Muslimbruderschaft, jener Gruppierung, die seit einem Jahr in Ägypten das Sagen hat. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Gesellschaft zu islamisieren. Eine fundamentalistische Auslegung des Korans dient ihr als ideologische Grundlage.

Scheich Mohammed redet nicht gerne über Politik. Wichtiger ist ihm das tägliche Miteinander. Seit einigen Jahren ist

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