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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2013
Landraub
Der globale Kampf um Boden fordert Opfer
Der Inhalt:

Der Prozess

von Johanna Haberer, Sabine Rückert vom 26.04.2013
Ein unschuldig Verurteilter erlebt, wie die Welt um ihn herum wahnsinnig wird.
Niemand hört ihm zu. Alles, was er sagt, wird gegen ihn verwendet.
Gottes Ja gilt allen Menschen: schuldig – aber freigesprochen

Im Mittelpunkt des christlichen Glaubens steht ein Prozess. Ein Unschuldiger wird zum Tode verurteilt. Die Passionsgeschichte berichtet in vielen Variationen und aus vielen Perspektiven, wie diese schreckliche Schrankenlosigkeit, die uns befähigt, andere Menschen anzuzeigen, zu verleumden, zu verraten, zu vernichten, virulent wird. Ein unheimlich brisanter Text – bis heute.

Jeder kann in den Verdacht geraten, eine Straftat begangen zu haben. Jeder kann von einem anderen verdächtigt und angezeigt werden. Und dann steht plötzlich die Staatsmacht in der Tür, bewaffnete Beamte. Sie durchsuchen die privaten Räume und nehmen den überraschten Bürger mit. Das ist kein schönes Gefühl. Vor allem für den, der sich keiner Schuld bewusst ist. Sein Weltgefüge wankt. Wer weiß schon, wie das ist, in eine Befragung von Ermittlern zu geraten. Mehreren Verhörpersonen der Kriminalpolizei ausgeliefert zu sein und von ihnen mehr oder weniger freundlich vernommen zu werden. Bei polizeilichen Befragungen treffen ja keineswegs gleich starke Gegner aufeinander. Vielmehr sitzt auf der einen Seite ein geschultes und mit aller staatlichen Machtfülle ausgestattetes Ermittlerteam. Auf der anderen Seite ein ganz normaler Mensch, einer wie du oder ich. Manchmal handelt die Staatsmacht überstürzt – froh, einen Schuldigen vorzeigen zu können. Fehlgeleitet durch Vorurteile und hohen öffentlichen Druck, den Kapitaldelikte mit sich bringen, drängt es sie, einen Fall rasch abzuschließen. Auch deshalb bedarf sie der Kontrolle und der Kritik.

Eilig haben es auch die Ordnungsmächte, die Jesus den Prozess machen wollen: Der Prozess Jesu erzählt die Geschichte eines unschuldig Verurteilten, der Gesetzeshütern in die Hände fällt, die außer Kontrolle geraten sind. Menschen, die ihre Macht zur Durchsetzung ihrer eigenen Interessen missbrauchen: rücksichtslos, manipulativ.

Macht braucht Verantwortung. Macht benötigt einen regelhaften Prozess des Antwortens auf die Fragen des eigenen Gewissens, der inneren Normen, der Gesetze, die Fragen der anderen und Antworten auf die Fragen Gottes. Dieser Raum des Antwortens, welcher Verantwortung definiert, ist in unserer demokratischen Gesellschaft genau geregelt. Er entsteht in einem Prozess der Nachdenklichkeit. In einem Prozess, den auch jeder einzelne Mensch jeden Tag im Stillen mit sich selber führt. Wir Menschen sind die einzigen Lebewesen der Schöpfung, die sich ni

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