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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2013
Landraub
Der globale Kampf um Boden fordert Opfer
Der Inhalt:

In den Tropen geflochten

von Christian Boldt vom 26.04.2013
In Norddeutschland ist man stolz auf Strandkörbe von höchster deutscher Qualität. Manche kommen allerdings aus Indonesien

Wenn die Temperaturen steigen, wird es auch draußen gemütlich. An Nord- oder Ostsee dient dazu eines der typischsten deutschen Sitzmöbel: der Strandkorb.

Manche Hersteller produzieren den gepolsterten Kasten auch in ausgefalleneren Formen, ja Luxusvarianten. Die Strandkorbprofis etwa sind stolz auf ihre Produkte: »In unserer Manufaktur in Buxtehude wird jeder Strandkorb von erfahrenen Handwerkern unter Verwendung bester Materialien hergestellt«, heißt es auf der Firmen-Website. »Aus dem Zusammenspiel von handwerklicher Perfektion und hochwertigsten Materialien entstehen hier täglich Strandkörbe für eine anspruchsvolle Klientel.« Zu jener Klientel zählen Großkunden wie die Firmen Bahlsen, Nivea, Tchibo oder Tui, Prominente wie Ex-Fußballstar Franz Beckenbauer oder der Fernsehkoch Johann Lafer.

Mit »handwerklicher Perfektion« ist wohl der hohe Anspruch beim Prüfen und Montieren der Körbe gemeint. Denn die eigentliche Herstellung und aufwendigste Handarbeit, das Flechten, leisten Arbeiter im indonesischen Jakarta. In ihrem umfangreichen Web-Auftritt verlieren die Strandkorbprofis kein Wort über die Produktionsstätte in Übersee. Davon erfährt der Interessierte nur auf der Website einer Partnerfirma, Strandkorb & Meer in München: Die Roh-Körbe würden in Jakarta vorgefertigt und in Buxtehude »von erfahrenen Korbflechtern und Tischlern ... weiterverarbeitet und veredelt«. Ein Branchenkenner mutmaßt, dass die Buxtehuder Handwerker im Wesentlichen ausbessern und montieren. Strandkorb & Meer informiert zudem über die Arbeitsstunden, die für die Herstellung eines Strandkorbs anfallen: elf Stunden fürs Flechten, sechs Stunden fürs Nähen und Polstern, anderthalb Stunden für die Montage. Ganz klar: Der Löwenanteil der Arbeitszeit entfällt aufs Flechten.

Verglichen mit Strandkorb & Meer sind die Strandkorbprofis weniger offenherzig, ganz im Gegensatz zu ihrer Selbstdarstellung. Unter der Rubrik »Unser Team« stellen sich Mitarbeiter aus Geschäftsleitung, Buchhaltung, Lager, Logistik, Stoffdesign, Stoffzuschnitt, Polsterei, Näherei, Montage und Endkontrolle vor. Dass hier die Flechter und Tischler fehlen, fällt nur dem auf, der nach ihnen sucht. Zum »Team« werden sie offensichtlich nicht gezählt.

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