Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2013
Landraub
Der globale Kampf um Boden fordert Opfer
Der Inhalt:

Frischer Wind

von Rebekka Sommer vom 26.04.2013
Netzwerk »3te Generation Ostdeutschland«: Junge Menschen wollen den Dialog und haben neue Ideen für das ganze Land

Ines Markowski hatte gerade ihre Ausbildung beendet, als sie von Thüringen in einen kleinen Ort in Bayern zog. Das war 1989, direkt nach dem Fall der Mauer. Gerade mal 18 Jahre war sie da, und sie ging allein. Auch heute lebt die Mediengestalterin als Single. So richtig heimisch fühlt sie sich im Westen noch heute nicht. Es fehlt ein Gefühl der Verbundenheit, des selbstverständlichen Dazugehörens. Stattdessen ist Selbstdarstellung gefragt, Diplomatie statt Offenheit. Um diese neuen Regeln zu verstehen, suchte Ines Markowski nach Menschen, die die Kultur ihrer Kindheit geteilt hatten.

»Auf die 3te Generation Ostdeutschland bin ich zufällig gestoßen«, sagt sie, »ich suchte im Internet nach Verbindungen zu Menschen, denen es so ging wie mir.«

Die 3te Generation Ostdeutschland ist ein Netzwerk junger Menschen, zumeist im Alter zwischen 25 und 35 Jahren, die die DDR nur als Kind erlebt haben. Inzwischen gehören mehrere Hundert Anhänger dazu, vom Berlin-Chef des Tagesspiegels Robert Ide bis hin zu Henrik Schober, Chefredakteur der Zeitschrift für Politikberatung. Sie wollen Klischees abbauen, setzen sich für Aufarbeitung ein und diskutieren über die DDR-Vergangenheit, wollen den Dialog zwischen Ost und West, Alt und Jung anstoßen, organisieren Kongresse, Podien, Workshops.

Doch warum jetzt, nach 23 Jahren? »In den ersten Jahren hab ich mich gar nicht getraut zu sagen, dass ich aus dem Osten komme«, sagt Ines Markowski, »das war etwas Negatives, Entwertendes.« Außerdem ging es ja erstmal darum, einen sicheren Arbeitsplatz zu finden. Die Schülerin Ines wollte Kunst studieren. In der DDR ging das nicht, denn ihre Eltern waren nicht in der Partei und zudem in der Kirche aktiv. »Außerdem wurde mir bewusst, dass ich als Künstlerin dem sozialistischen Realismus treu bleiben müsste. Das wollte ich nicht.« Also wurde sie Industriekauffrau. Den Ursprungswunsch setzte sie in Bayern um: Die Kauffrau wurde Mediengestalterin, sie engagierte sich im sozialen Bereich und arbeitet heute in Schulen. Bei der Arbeit ist die Fremdheit lange kein Thema mehr. »Aber Weggefährten zu finden, das ist für mich äußerst schwierig.« Neben der Netzwerkarbeit möchte Markowski die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, wie es ist, in Deutschland fremd zu sein: »Ich habe mein Land verloren«, sagt sie.

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen