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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2013
Landraub
Der globale Kampf um Boden fordert Opfer
Der Inhalt:

Ein Wetterleuchten am Uni-Himmel

von Jutta Stössinger vom 26.04.2013
In Frankfurt sind studentisches und etabliertes Leben rund um die Bockenheimer Warte bunt durcheinandergemischt, und mittendrin hatte des „Institut für vergleichende Irrelevanz“ein Haus besetzt.Dort kritisierten junge Leute das verschulte Lernen und verlangten mehr Widerspruchsgeist. Vor wenigen Tagen wurde das Institut von der Polizei geräumt.

Logierbesuch hatte sich im März für ein paar Tage angekündigt. Freddy aus Italien wollte nach Frankfurt kommen, bevor er nach Bahia weiterfliegen würde, um eine brasilianische Freundin zu treffen. »Fein«, sagte ich am Telefon, »dann machen wir einen kleinen Bummel durch unsere Nachbarschaft, »es gibt allerhand zu zeigen.« Freddy stammt aus dem Schwarzwald, hat Schreiner gelernt und irgendwann in den Siebzigern ein Tischler-Kollektiv mitbegründet. Später verschlug es ihn der Liebe wegen in eine toskanische Kleinstadt. Dort lebt er bis heute. Seine Tochter studiert in Berlin. Weil schönes Wetter ist, spazieren wir durch den Grüneburgpark und später über den angrenzenden neuen Uni-Campus auf dem Gelände des ehemaligen IG-Farben-Hauses und späteren Hauptquartiers der US-Army. »Tolle Architektur«, sagt Freddy, »aber warum ist denn da ein Zaun drum?«

Wir betrachten das komplett mit Travertin verkleidete Hauptgebäude, dieses monumentale, gleichwohl äußerst attraktive Bauwerk, das der Architekt Hans Poelzig in einem Mix aus Zickzackhausen und Neuer Sachlichkeit entworfen hat, und treten ein. Ein lichtes Foyer empfängt uns. Zwei schwungvolle Treppen führen ins Obergeschoss. Die Lampen im Stil des Art Deco, die schmiegsamen Handläufe, die Rautenmuster auf den Marmorwänden sind original erhalten und entlocken uns andächtiges Staunen. Eine rundum verglaste Rotunde schließt sich an; dort ist ein Café untergebracht. Beim Cappuccino schauen wir hinüber auf das große, von Trauerweiden gesäumte Wasserbassin, auf die terrassenförmig angelegten Blumenrabatten und auf das einstige Offiziers-Casino, heute zentrale Mensa. Früher, zur Zeit der Amerikaner, wurde dort mit Saxofon und Schlagzeug gegen das Grau von Nachkriegs-Deutschland zum Tanz aufgespielt, und ich stelle mir vor, dass auch das eine oder andere Frankfurter Frollein mit von der Partie gewesen ist.

Vierzehn Hektar Grün umgeben den Gebäudekomplex. »Ein Glücksfall«, hatten wir gesagt, als das Gelände nach der deutsch-deutschen Wende und dem Abzug der Amerikaner Anfang der 1990er-Jahre der Johann Wolfgang Goethe-Universität zugeschlagen und ihr sukzessiver Umzug von Bockenheim ins Westend beschlossen worden war. Denn was konnte Besseres passieren an diesem geschichtsträchtigen und geschichtsbelasteten Ort? Die IG Farben, seinerzeit welt

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