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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2013
Landraub
Der globale Kampf um Boden fordert Opfer
Der Inhalt:

Auf Augenhöhe

von Doris Weber vom 26.04.2013
Die Freiheit des anderen ist auch meine Freiheit
Ein Gespräch mit dem Psychologen Tilman Eckloff über Respekt und Toleranz

Brauchen wir mehr Respekt in unserer Gesellschaft?

Tilman Eckloff: Unsere Gesellschaft wird komplexer durch die Globalisierung und zunehmende Individualisierung, sodass wir heutzutage sehr viel mehr Kontakt mit Vielfalt haben an unserem Arbeitsplatz, in der Schule, im Kindergarten, auf der Straße, eigentlich überall. Und dadurch werden natürlich auch die Konflikte, die aufgrund von Vielfalt entstehen, größer. Um diese zu bewältigen, brauchen wir Respekt. Respekt ist die Grundlage, um in einer komplexen Gesellschaft in Freiheit leben zu können, um miteinander auf friedliche Weise auszukommen.

Was halten Sie von dem Begriff: »Nulltoleranz«?

Tilman Eckloff:Es gibt die Redewendung: »Keine Toleranz der Intoleranz.« Vor diesem Hintergrund ergibt der Begriff für mich Sinn. Wenn der andere meine Freiheit in keiner Weise respektiert oder die Freiheit eines anderen in keiner Weise respektiert, dann kann ich dieses Verhalten nicht als gleichwertiges Verhalten respektieren, sondern muss einschreiten, um eine Situation herzustellen, in der die Gleichwertigkeit wieder da ist. Das heißt nicht, dass ich das Recht hätte, diese Person dann meinerseits unterzubuttern und ihr keine Möglichkeit zur Entfaltung einzuräumen, sondern nur, dass es notwendig ist, eine Situation zu schaffen, in der alle Beteiligten prinzipiell das gleiche Recht auf Freiheit haben. Die Konflikte sind damit nicht gelöst, aber es wird dadurch die Voraussetzung geschaffen, um die Konflikte friedlich lösen zu können.

Das gilt auch im Privatleben?

Tilman Eckloff: Auf jeden Fall.

Und wie schaffen es Frauen und Männer nach jahrzehntelanger Ehe immer noch, einander zu respektieren? Es häufen sich doch im Alltag enorm viele Kleinigkeiten an, die dem anderen auf die Nerven gehen?

Tilman Eckloff:Gerade in nahen Beziehungen ist es eine wichtige Übung, die rechte Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden. Denn oft ist es so, dass der Respekt verloren geht, wenn die Leute sich so nah sind, dass sie meinen, sie dürften übergriffig werden und dem anderen vorschreiben, wie er zum Beispiel seine Zähne zu putzen hat. Auf den Gedanken würde man bei einem Arbeitskollegen oder einem Fremden nie kommen. Wenn man sich in einer Beziehung in zu viel Nähe vers

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