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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2010
Papstkirche am Abgrund
Ein Bischof sagt, was sich jetzt ändern muss
Der Inhalt:

Verantwortungslose Elite

von Wolfgang Kessler vom 23.04.2010
Ob katholische Kirche, Wirtschaft oder Banken: Das Führungspersonal schützt nur seine eigenen Interessen

Margot Käßmann, bis vor Kurzem Bischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, war für eine Woche in allen Medien – jetzt ist sie daraus wieder verschwunden. Ihr selbst wird dies recht sein, weil sie nur so zur Ruhe kommen kann. Doch sie ist nicht die einzige, der diese Ruhe um ihre Person recht sein wird: Die Elite der katholischen Kirche, der Banken und der Wirtschaft wird dafür beten (wenn sie denn betet), dass niemand so schnell mehr an die ehemalige Bischöfin erinnert. Denn mit ihrem Rücktritt nach einem schwerwiegenden privaten Fehler hat sie moralische Maßstäbe gesetzt, an denen sich viele katholische Bischöfe, die meisten Banker und Wirtschaftsbosse nicht messen lassen können – und auch nicht messen lassen wollen. Selten zuvor hat sich in Deutschland eine Elite in Kirche und Gesellschaft als so unbelehrbar und verantwortungslos erwiesen wie in den vergangenen Monaten.

Zum Beispiel viele katholische Bischöfe. Selbst als immer mehr Fälle von sexueller Gewalt in katholischen Einrichtungen publik wurden, wiegelten sie ab: Sexuelle Gewalt gebe es in Familien, Internaten, Vereinen, sie sei kein spezielles Problem der Kirche. Richtig ist, dass das Problem der sexuellen Gewalt viele Institutionen und Eliten herausfordert, einschließlich angesehener Reformpädagogen. Allerdings rechtfertigt dies nicht, dass viele Bischöfe erst einmal abwiegelten statt offensiv aufzuklären. Als sie nicht mehr abwiegeln konnten, gaben sie jeweils in Häppchen zu, was sie nicht mehr bestreiten konnten. Auf grundlegende Kritik am männerdominierten, autoritären System der katholischen Kirche antworteten sie mit einem Gegenangriff: Das sagten nur Feinde der Kirche.

Nicht besser verhalten sich die meisten Spitzenbanker. Kaum einer von ihnen übernahm bisher die Verantwortung für die Finanzkrise. Die meisten schwiegen und räumten ebenfalls nur häppchenweise ein, was sie nicht mehr verschweigen konnten. In einem nächsten Schritt versuchten sie dann all jene Reformvorschläge der Politik zu torpedieren, die ihre Kreise in Zukunft stören konnten. Inzwischen machen sie weiter wie bisher. Die millionenschweren Bonuszahlungen fließen, als hätte es nie eine Krise gegeben.

Wer geglaubt hatte, das stark gesunkene Vertrauen in die Manager-Elite würde diese zu mehr Glaubwürdigkeit animieren, sieht sich ebenfalls getäuscht. Sie zementieren ihre Pr

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