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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2010
Papstkirche am Abgrund
Ein Bischof sagt, was sich jetzt ändern muss
Der Inhalt:

Pilgern für die Mühle

von Bettina Röder vom 23.04.2010
Zeichen gegen Arbeitslosigkeit auf dem Weg nach München

Mühle ist nicht gleich Mühle. Den Unterschied kann der gebürtige Holländer Gerard Minnaard, der seit mehr als 25 Jahren in Deutschland lebt, ganz genau erklären. Er leitet ein Arbeitslosenprojekt in Niedersachsen, sein »jüngstes Kind« ist eine Mühle am Stadtrand von Uelzen. 2007 war sie noch so etwas Ähnliches wie eine Müllkippe, drei Gebäude »kurz vor dem Zusammenbruch« gab es hier. Lediglich der eineinhalb Hektar große Laubwald und das Wasser, das einst die Mühle antrieb und es dem Holländer besonders angetan hatte, »lebten noch«. Gerard Minnaard und seine Mitstreiter vom Arbeitslosenprojekt »Integration durch Arbeit« kauften Land und Gebäude kurz vor der Zwangsversteigerung. Dank einer Spende aus einem Erbe war das möglich geworden.

Heute kann sich die Woltersburger Mühle wieder sehen lassen. Unter Anleitung von Meistern aus Baugewerken – von Elektrikern über Maurer bis hin zu Zimmermännern – wurde sie von Arbeitslosen instand gesetzt. Die Meister aus regionalen Handwerksbetrieben wurden von dem Arbeitslosenprojekt »eingekauft«: für 100 oder auch 200 Stunden leiteten sie die Arbeitslosen an, gaben ihnen die Möglichkeit zur Weiterbildung. Und so gibt es in der Woltersburger Mühle auch wieder eine Kläranlage, Wasser, Heizung und Licht. Und eine große Gemeinschaftsküche. Zu Pfingsten soll ein Gästehaus eingeweiht werden. Weitere zwei Drittel der Mühlengebäude, die noch unbewohnbar sind, sollen es bald wieder sein. Damit beschäftigt sind im Schnitt fünfzig arbeitslose Menschen, von denen so jeder Zweite den Weg zurück ins Berufsleben fand.

Über all das können sich auch jene Gemeinden, Landtagsabgeordneten und Bürgermeister informieren, bei denen in diesen Tagen drei Pilger anklopfen. Sie sind über Celle, Hannover, Braunschweig, Magdeburg, Leipzig und Nürnberg unterwegs zum Kirchentag nach München. Und rühren auf dem Weg dorthin die Werbetrommel für das Mühlen-Projekt. Das finanziert sich vor allem aus Spenden- und EU-Geldern wie auch aus dem Topf der Arbeitsagentur. Doch Steffen Siegert, der dank der Mühle wieder Licht für seine Zukunft sieht und die Idee für den Pilgerweg hatte, geht es um viel mehr.

Der schwer behinderte Mann, der selbst 13 Jahre arbeitslos war, pilgert wie sein Mitstreiter, Dieter Morawietz, Lebensberater an der Mühle, und die arbeitslose Journalistin Maren Warnecke gegen die Arbeitslosigkeit. Sie wollen daran erinnern, dass Menschen, d

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