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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2010
Papstkirche am Abgrund
Ein Bischof sagt, was sich jetzt ändern muss
Der Inhalt:

»Hier werde ich verstanden«

von Silke Düker vom 23.04.2010
Die Männer gehören in der Bremischen Evangelischen Kirche neuerdings auch zum Pfarrfrauendienst

Pastor Gunnar Held (36) und Oliver Wilking (43) sind ein Paar. Seit zwei Jahren leben sie in einem hübschen rotgeziegelten Pfarrhaus inmitten ihrer Gemeinde in Bremen-Walle. Die Mitglieder haben es so gewollt, denn in Bremen hat die Gemeinde ein Entscheidungsrecht, welcher Pfarrer ins Pfarrhaus einziehen darf. Dass die beiden schwul sind, weiß dort jeder.

Als sie sich während des Studiums kennenlernten, ahnte Oliver Wilking nicht, was als zukünftiger Pfarrpartner auf ihn zukommen würde. »Wenn Gunnar nicht da ist, bin ich auch schon mal der Ansprechpartner«, erzählt er aus seinem Alltag im Pfarrhaus. »Oft klingelt es an der Tür, weil Menschen Hilfe suchen und in Not sind. Mitunter werden uns aber auch recht fantasievolle Geschichten aufgetischt, um so an Geld zu kommen. Da muss man lernen zu unterscheiden und vielleicht auch mal ›nein‹ zu sagen.« Das ist für Oliver Wilking, der freiberuflich als Grafiker von zu Hause aus arbeitet, nicht immer leicht.

Abgrenzung ist ein wichtiges und schwieriges Thema und sicherlich mit ein Grund dafür, warum sich bundesweit in allen 22 Landeskirchen, zumeist nach dem Krieg, Pfarrfrauen zu Interessengruppen zusammengeschlossen haben. So auch in Bremen. Vor fünfzig Jahren wurde hier der »Pfarrfrauendienst« ins Leben gerufen, eine Art Selbsthilfegruppe für Frauen, die mit einem Pfarrer oder einem Vikar verheiratet sind und damit besondere Bedingungen einer Ehe im Pfarrhaus zu tragen haben. Seit der Reformation haben die Frauen nach dem Vorbild der Katharina von Bora, Martin Luthers Frau, das Bild der Pfarrfrau und ihre Stellung in der Gemeinde entscheidend geprägt. Und das über Jahrhunderte: »Bis in die 1960er-Jahre durften die Frauen der Pfarrer keinen eigenen Beruf ausüben, sondern mussten voll und ganz im Dienste der Kirche stehen«, weiß die Bremer Kulturwissenschaftlerin Andrea Hauser. Der Beruf des Pastors war lange ein Ehepaarberuf. »Von der Pfarrfrau wurde erwartet, dass sie ihr Leben als Pfarrfrau als einen ehrenamtlichen Beruf ansah. Ihr oblag die Leitung des Bibelkreises, die Kinder- und Frauenarbeit bis hin zur Leitung des Kirchenchores – alles natürlich unentgeltlich. Sie stand unter einem enormen Druck.« Hinzu kommt, dass die Ehe im Pfarrhaus bis heute quasi öffentlich geführt wird und dabei natürlich auch noch Vorbildcharakter haben soll. Zehn solcher Bremer Pfarrfrauenleben, von 1959 bis heute, beschreibt Andrea Hauser anschaulich in ihrem Buch

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