Zur mobilen Webseite zurückkehren

Alle Dinge sind möglich

von Johanna Haberer vom 23.04.2010
Ich denke, die Sünde wider den Heiligen Geist trägt der mit sich, der glaubt, er benötige keine Vergebung, und der andere, der glaubt, ihm könne niemals vergeben werden

Der »Heilige Geist«, wie ihn die alte Kirche nennt, ist ein Mysterium, das unsere Sprache sprengt. Elementare Bilder haben die ersten Christen gefunden, um das überwältigende Erlebnis der Befreiung zu beschreiben: Vom Wind, der da weht, wo er will, ist die Rede und vom Sturm, der die Angst wegbläst, vom Feuer, das wärmt, das inspiriert, das klärt und reinigt, und vom Funken, der überspringt und viele, viele erfasst.

Den ersten öffentlichen Auftritt hat der Heilige Geist an jenem jüdischen Wochenfest fünfzig Tage nach Passah, das später Pfingsten heißen wird. Nach dem Zeugnis der Bibel ist an diesem Tag die Jüngerschar des gekreuzigten Jesus von Nazareth öffentlich aufgetreten und hat sich nicht gescheut, die unglaubliche Geschichte von der Auferstehung des Christus zu erzählen und die Botschaft vom Tod des Todes unter die Menschen zu tragen.

Nach der Katastrophe von Golgatha hatten die Jünger sich unsichtbar gemacht und verkrochen. Sie hatten um ihr Leben gezittert und lebten in ständiger Furcht vor Bespitzelung und Denunziation. Der Auftritt des Heiligen Geistes markiert das Ende der Angst und den Beginn eines öffentlichen Christentums, das sich durch keine weltliche Macht, durch keine irdische Gewalt in die Knie zwingen lässt.

Dieses dritte Gesicht Gottes, die dritte Person – wie die alte Kirche sagt – versucht, der Kraft, der Power, der Bewegung und der Dynamik Gottes einen Namen zu geben. Der Heilige Geist gehört dem Schöpfer und dem Erlöser zu gleichen Teilen. Er hat unterschiedliche Eigenschaften, die alle in den einen Gott gehören.

Es ist der Geist, den Gott dem ersten Menschpaar einhaucht, der sie leben lässt, der die Vitalität und Kraft, die Lebensfreude und Kreativität Gottes auf den Menschen überträgt – auch die Freiheit, sich von Gott abzuwenden.

Es ist der Geist, der die Verbindung schafft zwischen dem Schöpfer und seinem Geschöpf. Es ist der Geist, der uns reden macht und beten, lieben und sorgen.

Man kann ihn spüren, den Heiligen Geist. Diese geistvollen, lebensvollen Momente – jeder Mensch kennt sie. Augenblicke des Bei-sich-seins und Außer-sich-seins. Gipfelerlebnisse des Menschseins. Wenn ein neugeborener kleiner Mensch zum ersten Mal seine Augen aufschlägt und seine Mutter anblickt, als sei er von weither gekommen. Wenn zwei Liebende sich einander schenken und beschließen

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen