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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2020
Der Sinnlosigkeit widerstehen
Ostern in der Corona-Krise
Der Inhalt:

»Der Boom der E-Autos kommt hier nicht an«

von Peter Seidel vom 10.04.2020
Kobalt, Stoff für die Batterien von Elektroautos, kommt hauptsächlich aus der Demokratischen Republik Kongo. Mit welchen Problemen die Kleinschürfer vor Ort zu kämpfen haben, erklärt der Bergbau-Experte Jacques Nzumbu Mwanga

Publik-Forum: Pater Mwanga, eigentlich wollen wir über Kobalt sprechen, doch jetzt überlagert Corona alles. Lassen Sie uns also damit beginnen. Wie geht die Demokratische Republik Kongo mit dem Virus um?

Jacques Nzumbu Mwanga: Am 24. März hat die Regierung den landesweiten Notstand ausgerufen. Die Hauptstadt Kinshasa darf von niemandem mehr verlassen oder betreten werden. Die ersten Toten der Epidemie stammen aus dem reichsten Viertel von Kinshasa, in dem alle staatlichen Behörden und die internationalen Institutionen ihren Sitz haben. Es betrifft im Moment nur die Quartiere der Reichen, die Viertel der einfachen Leute sind von der Epidemie noch unberührt. Man kann sagen, dass diejenigen, die nach Europa oder Amerika fliegen können, das Virus »importiert« haben.

Ist das Land aufgrund der Erfahrungen im Kampf gegen Ebola gut gerüstet?

Mwanga: Leider nein, ein öffentliches Gesundheitssystem existiert so gut wie nicht. Die arme Bevölkerung fordert von der Regierung, mit sauberem Wasser und Nahrung versorgt zu werden. Die Leute werden eher an Hunger sterben wegen der Abschottungspolitik als wegen des Virus.

Auf der anderen Seite haben Sie einen anerkannten Virologen im Land …

Mwanga: Ja, Professor Muyembe hat das Ebola-Virus identifiziert. Er koordiniert die medizinische und strategische Antwort auf das Corona-Virus und arbeitet in einem biomedizinischen Forschungslabor in Kinshasa, das vor drei Monaten eröffnet wurde.

Die Menschen auf dem Land haben noch ganz andere Sorgen als das Virus – und die hängen auch mit Deutschland zusammen. Eine Million Elektroautos sollen bis 2022 auf deutschen Straßen fahren, das ist das erklärte Ziel der Bundesregierung. Der dafür benötigte Rohstoff, das Kobalt, kommt aus Ihrer Heimat. Wo liegen die Probleme?

Mwanga: Das Grundproblem beim Thema Elektromobilität ist folgendes: Wie kann man von einem wirklich grünen Produkt sprechen, wie kann man sagen, dass wir die Umwelt weniger verschmutzen, wenn dort, wo die Rohstoffe herkommen, so große Probleme im sozialen Bereich und in Umweltfragen herrschen?

Dass der Rohstoffabbau der Umwelt schadet, ist bekannt. Lassen Sie uns über die soziale Dimension sprechen, die Lebensverhäl

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