Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2019
Rebellion der Zukunft
Retten uns die Schüler?
Der Inhalt:

Streitfragenzur Zukunft: Sind Volkskirchen wünschenswert?

von Thomas Frings vom 05.04.2019
Nein. Wer heute diesem Traum nachhängt, verbaut sich die Zukunft Die Kirchen versuchen, dieses Bild zu wahren. Das ist verständlich, widerspricht aber dem Evangelium

Eine Bemerkung vorab, um Missverständnisse auszuschließen: Natürlich sind Volkskirchen in dem Sinn wünschenswert, dass möglichst viele Menschen sich von der Botschaft Jesu Christi begeistern lassen und ihr Leben danach ausrichten! Alles andere würde heißen, dass Kirche und Menschen besser nebeneinander existieren sollten oder dass Kirche ein Geheimbund ist, der sich von der Welt abkapseln will. Das Selbstverständnis von Kirche resultiert aus dem Auftrag Jesu und der Überzeugung der Apostel, die sich gesandt wussten bis an die Grenzen der Erde. Das Ziel sind daher immer alle Menschen, nicht viele, nicht einige und auf keinen Fall nur wir selber. Doch wie groß muss eine Gemeinschaft sein, um sich die Bezeichnung »Volks...« zu verdienen?

Solange CDU/CSU und SPD bei den Wahlen um die vierzig Prozent der Stimmen bekamen, wurden sie als Volksparteien bezeichnet. Davon sind beide inzwischen weit entfernt. Dass sie sich dennoch so bezeichnen, liegt daran, dass die Wahlergebnisse der anderen noch schlechter sind. Aufgeben will man den Titel unter keinen Umständen, weil daran Bedeutung und Akzeptanz geknüpft sind. Und er wird auch nicht vorschnell denen verliehen, die inzwischen größer geworden sind, denn nicht allein die Zahl, sondern nur die Verbindung von Größe und Geschichte verleiht diesen »Ehrentitel«.

Bis zur Wiedervereinigung gehörten über achtzig Prozent der Deutschen der katholischen oder der evangelischen Kirche an, also einer der beiden Volkskirchen, die diese Bezeichnung eigentlich nur im Plural verdienen. Inzwischen nähern sich die Christen in Deutschland unaufhaltsam der Fünfzig-Prozent-Marke. Wie lange kann man beanspruchen, Volkskirche zu sein, wenn sich die Gruppe der Konfessionslosen der Vierzig-Prozent-Marke nähert? Sie werden bald die größte Gruppe im Staat sein, wenn auch unorganisiert und ohne religiös-weltanschauliches Bekenntnis.

Ich bin noch in volkskirchlichen Strukturen aufgewachsen. 1987 wurde ich mit 16 Mitbrüdern zum Priester geweiht. Damals war dies eine beklagenswert geringe Zahl. Heute würde sie Begeisterungsstürme hervorrufen. Wenn ich hier Priesterzahlen nenne, dann aus dem einzigen Grund, um darauf hinzuweisen, dass die (volks-)kirchlichen Strukturen unter anderem stark am Priesterberuf hängen. Schwindender Nachwuchs wurde zunächst kompensiert durch Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten. Aus einer Priesterkirche wurde langsam eine

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen