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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2019
Rebellion der Zukunft
Retten uns die Schüler?
Der Inhalt:

Zwischenruf: Religion hinter Gittern

Wenn Gotteshäuser mit Waffen geschützt werden müssen, macht das Attentäter glücklich. Es ist der Anfang vom Ende öffentlicher Religion

Auf das Entsetzen folgt die Angst. Wird Christchurch bald überall sein? Das Attentat auf zwei Moscheen in Neuseeland, dem im März fünfzig Menschen zum Opfer fielen, hat Folgen, die weit über Neuseeland hinausreichen. Auch in Deutschland fürchten sich nun viele Musliminnen und Muslime: »Wir bekommen sehr besorgte Rückmeldungen aus den Gemeinden. Da ist nicht nur allgemeine Sorge, sondern richtig Angst«, sagte Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, kurz nach dem Attentat.

Was folgt daraus? Was eine Religionsgemeinschaft in Angst tut, lässt sich in diesem Land an jüdischen Gemeinden ablesen. In Berlin, in Frankfurt am Main, in Köln: überall Sicherheitskräfte vor den Eingängen von Synagogen, Schulen, Kindergärten. Fremde, die hineinwollen, müssen sich Checks unterziehen, die die meisten Menschen sonst nur vom Flughafen kennen.

Die Synagoge als Hochsicherheitszone: Das ist kein schönes Bild. Es zeigt, was geschehen kann, wenn eine Gruppe von Menschen bedroht wird: Sie sichert sich ab. Wer versucht, journalistischen Kontakt mit Jüdinnen und Juden aufzunehmen, kann erleben, wie sich diese Zurückhaltung zeigt, sofern es nicht um medienerfahrene Personen geht. Es ist extrem schwer, Gesprächspartner zu erreichen. Eine Telefonnummer? Eine Adresse? »Es ist in der jüdischen Community ein No-Go, private Kontakte rauszugeben. Ich bitte Sie dafür um Verständnis, so ist die Sicherheitslage halt«, erfuhr ich jüngst bei dem Versuch, Jüdinnen aus Anlass des Internationalen Frauentages in Berlin zu treffen.

Und nun also die Muslime. Stehen vor den Moscheen in Deutschland bald auch Sicherheitskräfte? Wird das große Schweigen ausbrechen?