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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2019
Rebellion der Zukunft
Retten uns die Schüler?
Der Inhalt:

Buch des Monats: Mut haben, Mensch zu sein

von Norbert Copray vom 05.04.2019
Das Wesen, das sich selbst Rätsel ist

Volker Gerhardt
Humanität
Über den Geist der Menschheit. C. H. Beck. 320 Seiten. 32 €

Weltweit grassiert die Unmenschlichkeit, Rassismus spaltet Gesellschaften – wie da noch von Humanität sprechen? »Hat die Rede von der ›Menschheit‹ und von der ›Humanität‹ ausgedient, sodass es an der Zeit ist, das Kapitel des Humanismus definitiv zum Abschluss zu bringen?«, fragt der Philosoph Volker Gerhardt gegen Ende seines neuen Buches »Humanität«. Überlassen wir die Erde dem »homo rapax«, dem räuberischen, dem alles vergewaltigenden Menschen? Das stünde im Widerspruch zum Menschen selbst und würde ihn zerstören. »Letztlich ist es also die Vermeidung des Selbstwiderspruchs, die das ethische Handeln motiviert.« Damit bestimmt sich der Mensch als »homo politicus«, als öffentliche Person, denn »jede um ethische Rechtfertigung bemühte Handlung ist an eine (zumindest unterstellte) Öffentlichkeit gebunden«.

Bis zu diesem Schlussteil des Buches bringt der bis zu seiner Emeritierung 2014 als Philosophieprofessor an der Humboldt-Universität tätige Gerhardt einen beachtlichen Weg hinter sich. Sein Buch ist ein Meilenstein in der philosophischen Anthropologie, die etwas aus der Mode gekommen ist, und in einer Landschaft, in der »nicht wenige Theoretiker die Rede von der Humanität als epochale Selbsttäuschung des Menschen« zu entlarven glauben. Gleichwohl verlangt der genaue, bisweilen spekulative, jedoch stets scharfsinnige und weitgreifende Gedankengang Gerhardts hohe Konzentration und am besten gute Kenntnis im Umgang mit philosophischen Denkfiguren.

Zentral sind die Ausgangsperspektiven: Die Selbsterkundung und Selbstbestimmung des Menschen, ohne andere abzuwerten, insbesondere Tiere als mit spezifischem Bewusstsein und Geist ausgestattete Lebewesen zu achten. Im Menschen die Menschheit zu lieben, was die Liebe zur Gattung Mensch meint wie die Praxis von Menschlichkeit im ethischen Sinne von Humanität. Der Mensch, der sich selbst ein Problem ist und in dem sich deshalb seine rationale und seine soziale Dimension verbinden, ist auf das miteinander verknüpfende Bewusstsein in Sprache, Kunst und Spiel angewiesen. So entfaltet er – auch maßgeblich mit Kreativität und Technik – die ihn ausmachende und tragende Natur in seine Kultur hinein, die ihn ermutigt, Mensch zu sein.

Schließlich zeigt Gerhardt, angelehnt an Imman

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