Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2018
Krone der Schöpfung?
Es ist Zeit für eine Grüne Reformation
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt: Was für eine Story!

vom 13.04.2018

Ich bin stolzes Mitglied in der Jury eines Literatur-Preises. Diese Jury zeichnet jedes Jahr ein Romanprojekt aus, das die Lust am Erzählen fantastischer Geschichten gekonnt mit der Vermittlung christlicher Werte verbindet. Preishungrige Autoren bewerben sich also mit ihren Konzepten bei dem Verlag, der die Auszeichnung vergibt. Allerdings gehört zu dieser literarischen Ehre, dass ich jedes Mal einen unfassbar dicken Stapel mit Romankonzepten bekomme, die ich dann alle sorgfältig auf ihre Preiswürdigkeit prüfen darf. Und das sind jeweils nur die Einsendungen, die die kritische Vorauswahl des Verlags heil überstanden haben.

Aus irgendwelchen Gründen gibt es nämlich regelmäßig Menschen, die überzeugt sind, ihr geplantes »Kochbuch der südschlesischen Wirsing-Gerichte« passe doch wunderbar zur Ausschreibung eines Roman-Wettbewerbs. Auch der Titel »Stalingrad war viel ehrenhafter, als alle denken« bewirbt sich um den Preis, ebenso die Erzählung »Wie ich den Geist meiner toten Perserkatze in der Sauna erwürgt habe«. Sie ahnen gar nicht, was die Leute alles mit der Welt teilen wollen.

Aber wie gesagt: Diese nicht ganz den Kern des Preises treffenden Einsendungen bekomme ich gar nicht zu sehen. Ich erhalte nur die Exposés, also Inhaltsangaben, von Roman-Ideen, die wirklich zur Ausschreibung passen – jeweils inklusive einiger Probekapitel. Und dann geht es los: Ich tauche tagelang in lauter fiktive Welten ein und schaue, in welcher ich gerne meine kostbare Lebenszeit verbringen möchte.

Dabei mache ich jedes Mal eine faszinierende Erfahrung: Es gibt Autoren, die schlagen eine Story vor, bei der ich sofort denke: »Super! Diese ungewöhnliche Geschichte muss endlich mal erzählt werden.« Und dann lese ich die ersten Zeilen der Leseprobe und muss schlucken, weil derjenige einfach nicht schreiben kann. So wie es umgekehrt auch Bewerber gibt, die wunderschön formulieren, aber einen absolut hirnrissigen Plot anbieten: »Wie die Kakerlaken mithilfe von Glyphosat die Weltherrschaft erlangten.«

Hin und wieder jauchze ich dann aber auf: »Hurra, hier ist jemand, der kann erzählen – und hat sich eine wirklich gute Geschichte ausgedacht.« Begeistert lese ich weiter. Doch nach einigen weiteren Seiten spüre ich: Die Figuren in dem Roman werden irgendwie nicht lebendig. Das sind alles nur Klischees. Ja, diese Typen interessieren mich einfach nicht – und sie ha

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen