Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2018
Krone der Schöpfung?
Es ist Zeit für eine Grüne Reformation
Der Inhalt:

Experten, Propheten oder Lobbyisten

Welche Rolle spielen die Kirchen in der Politik?

Mit Lobbyisten der Pharmaindustrie oder etwa der Glücksspielbranche möchte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister keinesfalls in einen Topf geworfen werden. Die Kirche verkaufe ja kein Produkt. »Der große Auftrag, den Jesus Christus uns gegeben hat, ist eine andere Nummer«, betont Meister. Da gehe es um das Reich Gottes, um eine andere Welt.

Doch es geht nicht immer nur um das Reich Gottes, sondern manchmal auch um ganz irdische Sorgen. Wie zum Beispiel das Problem mit dem Atommüll. Hier hat Ralf Meister als Vertreter der evangelischen Kirche zwei Jahre in der Endlagerkommission des Bundes mitgewirkt, um mit verschiedenen Interessenvertretern, Wissenschaftlern und Politikern Empfehlungen zur Lagerung des hoch radioaktiven Atommülls zu erarbeiten. Gegner und Befürworter der Kernenergie bescheinigten dem Bischof, moderierend und ausgleichend gewirkt zu haben. Vor allem wenn es um ethische Fragen ging, sah Ralf Meister in dem politikberatenden Gremium seine Kompetenz gefragt. »Ich war dann der Experte für die übergeordnete Moral«, sagt der Bischof. Zum Beispiel wenn man über ein Endlager spreche, dass in 100 000 Jahren noch sicher sein soll. Da habe es in der Kommission einen »Wahrheitsanspruch« der Naturwissenschaftler gegeben, wonach man heute seriös beurteilen könne, wie die Sicherheitslage in 100 000 Jahren sei. » Die Konstruktion einer solchen Wahrheit ist eine große Illusion«, sagt Meister.

Aus konservativen Kreisen hört man oft die Kritik, die Kirchen würden sich zu stark in politische Debatten einmischen. So haben etwa Wolfgang Schäuble oder der Wiener Theologe Ulrich Körtner den Kirchen vorgehalten, in aktuellen Debatten zu sehr zu politisieren und zu moralisieren. Meister weist dies zurück.