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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2017
Was heißt Auferstehung?
Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Patrick Roth und der Theologin Margareta Gruber
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt: Ei der Daus

vom 07.04.2017

Jetzt ist es so weit: Eine Supermarktkette bietet erstmals »Versteck-Eier« an. Sie wissen schon: Das sind diese buntgefärbten, ovalen Hühner-Dinger, die man am »Versteck-Sonntag« im Garten verstreut, wenn man hundertprozentig politisch korrekt sein und unter keinen Umständen jemand auf die Eier gehen will, der mit dem christlichen Osterfest nichts mehr anfangen kann. Ich dachte nur: Ei der Daus! Da werden sich meine Kinder aber freuen: »Kommt, wir gehen Versteck-Eier suchen! Und vielleicht ist ja auch ein Schokoladen-Fruchtbarkeitshase dabei?«

»Willkommen zum Hasenfest!«, begrüßte eine bekannte Buchhandelskette vor ein paar Jahren ihre Kunden mit der Werbung für die neue Oster-, ach Quatsch, für die neue Hasenware natürlich. Wenig später forderte dann ein Politiker, Sankt Martin in »Sonne-Mond-und-Sterne-Fest« und den Martinsumzug zu einem »märchenhaften Laternenumzug« zu formieren. Manche Städte überlegen bereits seit Jahren, ob sie nicht als Zeichen ihrer besonderen weltbürgerlichen Toleranz in Zukunft vom »Wintermarkt« statt vom Weihnachtsmarkt und von »Festlichtern« statt von Weihnachtsbeleuchtung reden sollten. Ich vermute, dass nun in naher Zukunft am 6. Dezember der legendäre »Rote-Mützen-Mann« zu den Kindern kommt, um ihre »Überraschungsstiefel« zu füllen. Das wird sicher total schön.

Dann könnten wir ja an Pfingsten eine fulminante »Feuerzungen-Party« feiern und an Dreikönig den »Gedenktag der Sterndeuter« begehen. Das Fest Christi Himmelfahrt ist ja glücklichweise längst zum »Vatertag« geworden, der traditionell mit Planwagen voll fröhlich singender Männergruppen und schäumender Gerstengebräue rituell, aber religiös neutral gestaltet wird. Ebenso erfolgreich wird der Reformationstag jetzt allenthalben von weltanschaulich unverdächtigen Schreckgestalten zelebriert, die an diesem Abend um die Häuser ziehen, um die existenzielle Frage »Süßes oder Saures?« aufzuwerfen.

In Amerika werden inzwischen auch Krippenspiele in Schulen verboten, erste Kommunen verzichten auf einen »Weihnachtsbaum«, und immer mehr Firmen wünschen im Advent nicht »Frohe Weihnachten«, sondern lieber »Frohes Fest«, damit die säkulare Neutralität in jedem Fall gewahrt bleibt.

Ja, haben die denn noch alle Lichter am Baum? Ich wage zu behaupten: Durch das Umtaufen eines Weihnachtsmarkts kommt nicht ein einziger Muslim mehr oder weniger dorthin, um einen alko

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