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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2015
Und der Mensch schuf das Netz
Gott in der digitalen Revolution
Der Inhalt:

Wenn die Seele schlingert

von Thomas Seiterich vom 10.04.2015
Gewalttätige Demonstrationen belasten die Polizisten. Was kann die Polizeiseelsorge dann tun? Fragen an den Frankfurter Pfarrer Wolfgang Hinz

Publik-Forum: Was macht solch ein »Gewalt-Tag« wie der Tag der Einweihung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main mit den Polizisten?

Wolfgang Hinz: Am Tag selbst sind wir alle vom Ausmaß der Gewalttätigkeit der Autonomen überrascht worden. Mit brennenden Barrikaden und Polizeiautos hatte man nicht gerechnet, obwohl nach Recherchen im Internet Vorsicht waltete. Was dann an einigen Ecken der Stadt an Gewalt gegen Polizisten explodierte, hat nicht nur bei den Anwohnern Verunsicherung und tiefes Erschrecken ausgelöst. Zumal der polizeiliche Auftrag ja auch darin besteht, das Demonstrationsrecht zu garantieren und zu schützen. Die Garanten der Meinungsfreiheit wurden teilweise fast so behandelt wie eine feindliche Bürgerkriegsarmee. Viele wurden durch Steine und ätzende Chemikalien verletzt, einige durch Brandsätze in Lebensgefahr gebracht. Dies hinterlässt Bitterkeit, Frust und die Frage: Wofür halten wir Polizisten eigentlich unseren Kopf hin?

Was tun Sie in der Nacharbeit dieses Tages?

Hinz: Ich suche das Gespräch, höre ausgiebig zu und bestärke die Beamten darin, dass sie mit Selbstbewusstsein und auch mit Stolz ihrer Aufgabe nachkommen, das Leben und die Freiheitsrechte aller Bürger zu garantieren und zu schützen – so wie sie es bei der Vereidigung versprochen haben. Manchmal muss ich auch einer schleichenden Resignation entgegenwirken. Würden sich Defensivgeist, Abschottung gegen außen und ein Feindbild-Denken verselbstständigen, wäre unsere demokratische, wertegebundene Polizei auf einem schlechten Weg.

Was heißt das für künftige Demonstrationen dieser Art?

Hinz: Die Veranstalter sollten kritisch hinsehen, mit wem sie unterwegs sind. Die Beamten müssen ethisch in der Haltung bestärkt werden: Wir schaffen Freiräume und halten sie offen. Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut auch noch für die, die es gewalttätig mit Füßen treten und deshalb dingfest gemacht werden müssen. Und: Wir stehen für die Demokratie unseres Grundgesetzes, nicht für einen überspannten Sicherheitsstaat.

Wie erlebten Sie selbst die Auseinandersetzungen?

Hinz: Die Polizei hatte sich bereits in den Tage vorher in Stellung gebracht. Ich bin hin geradelt und ha

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