Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2015
Und der Mensch schuf das Netz
Gott in der digitalen Revolution
Der Inhalt:

Hat Gott das alles gewollt?

von Christoph Fleischmann vom 10.04.2015
Jesus von Nazareth wurde gekreuzigt. Warum? Die evangelische Kirche gibt Antworten. Doch die klingen veraltet

Was ist da eigentlich in den letzten zehn Jahre passiert in meiner Kirche? Diese Frage stellte sich Dietrich Bonhoeffer, als er im Gefängnis saß. Müssen Nazi-Diktatur und Judenvernichtung nicht auch Konsequenzen haben für das christliche Reden und Denken über Gott? Diesen Überlegungen verdankt sich die bis heute anhaltende Faszination von Bonhoeffers Briefen aus dem Gefängnis. Das Leben stellt Fragen an die kirchliche Lehre.

Doch diesen Ansatz hat die Kammer für Theologie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) offensichtlich nicht. Sie hatte den Auftrag, etwas zur Bedeutung des Leidens und Sterbens Jesu von Nazareth zu schreiben. War nicht die Aufdeckung der Missbrauchstaten in kirchlichen Institutionen in den letzten Jahren der Testfall dafür, wie die Kirchen mit Schuld und Vergebung, aber auch mit dem Verlangen der Opfer nach Gerechtigkeit umgehen?

Die Ende März veröffentlichte Schrift »Für uns gestorben – Die Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu Christi« rekapituliert die 2000-jährige Tradition der Deutung des Todes Jesu. Doch aktuelle Infragestellungen, unter denen der Umgang mit Missbrauchstaten nur eine wäre, spielen darin kaum eine Rolle.

Die verschiedenen biblischen Deutungen des Todes Jesu werden vorgestellt. Dabei wird jene vom Sühnetod als ein besonders tiefes und umfassendes Verständnis gewürdigt. Die Autoren betonen allerdings, dass es nicht darum gehe, Gott mit einem Sühnopfer gnädig zu stimmen, sondern dass Gott selber sich in der Gestalt seines Sohnes dahingegeben habe: als ein Opfer für die Sünde der Menschen – Sünde verstanden als Lieblosigkeit mit der Folge von »Hass, falschem Stolz, Gewalttätigkeit, Ignoranz, Missgunst« und ähnlichen Verhaltensweisen.

Die naheliegende Frage: »Wieso musste Jesus Christus deswegen sterben, ging das nur so?«, nehmen die Theologen zwar auf, kanzeln sie aber kurz und bündig ab: »Was heißt: Nur so? Gott hat sich im Geschick Jesu Christi mit letzter Konsequenz an unser Geschick gebunden. Deshalb hat er sich in Christus kreuzigen lassen.« Das klingt nach: Gott hat es so gewollt, Rückfragen zwecklos! Dabei wird ganz selbstverständlich die altkirchliche Glaubenslehre vorausgesetzt, wonach Gott einer in drei Personen sei und Christus eine Person der Dreifaltigkeit.

Diese Sicht auf die Erlösung führt nun aber auch dazu, dass die Nöte der

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen