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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2015
Und der Mensch schuf das Netz
Gott in der digitalen Revolution
Der Inhalt:

Der Unbestechliche

von Keno Verseck vom 10.04.2015
Aufgefallen: Seit hundert Tagen ist Klaus Johannis erfolgreicher Staatschef in Rumänien. Vor allem im Kampf gegen die Korruption. Doch der Kirche war er lange suspekt

Wenn Medien in Rumänien dieser Tage Positives zu vermelden haben, sprechen sie oft vom »Johannis-Effekt«: Ob sich die öffentliche Stimmung bessert oder neue Investoren ins Land kommen – viele erklären es mit dem segensreichen Einfluss des Staatspräsidenten Klaus Johannis.

Seit hundert Tagen ist der Siebenbürger Sachse rumänischer Staatspräsident. Er ist so populär wie keiner seiner Amtsvorgänger im postkommunistischen Rumänien. Inzwischen würden nicht mehr nur 55 Prozent wie bei den Wahlen, sondern rund drei Viertel der Wähler für ihn stimmen. Auf Facebook hat Johannis 1,5 Millionen Likes – so viele wie kein anderer europäischer Politiker. Und die überschwengliche Bilanz des Online-Portals Ziare lautet: »In allerlei Hinsicht hat Johannis in drei Monaten mehr erreicht als sein Vorgänger in zehn Jahren.«

Der studierte Physiker gilt als bodenständig. Vor 850 Jahren wanderte seine Familie in Siebenbürgen ein. Und auch als seine Eltern, der Vater Techniker, die Mutter Krankenschwester, nach Deutschland gingen, blieb er. 2000 wurde er in Hermannstadt (Sibiu) als erster Deutschstämmiger zum Bürgermeister einer rumänischen Großstadt gewählt, obwohl nur zwei Prozent dort noch deutsch waren. Er sanierte die Altstadt, erneuerte die Infrastruktur. Doch als er 2014 von der Christlich-Liberalen Allianz zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl aufgestellt wurde, brodelte es im Hexenkessel. Große Fernsehsender warfen dem mit einer Englischlehrerin verheirateten Johannis vor, keine Kinder zu haben. Seine evangelisch-lutherische Konfession war der rumänisch-orthodoxen Kirche suspekt. Sie forderte die Wähler auf, einen »guten orthodoxen Rumänen« zu wählen.

Seit seinem Amtsantritt am 21. Dezember hat sich nun einiges verändert. Erstmals seit Jahren führen alle parlamentarischen Parteien wieder einen zivilisierten Dialog miteinander. Auch in der Außenpolitik setzt er neue Akzente und plädiert für eine tiefe Verankerung Rumäniens in der EU. Vor allem aber hat Johannis eines bewirkt: Der Kampf gegen Korruption wird so konsequent geführt, dass das Land dabei fast wie ein Vorreiter in Europa wirkt. Dutzende ehemalige Minister, hohe Staatsbeamte und Geschäftsleute sitzen in Haft.

Trotz aller Begeisterung sorgt der rumänische Staatschef regelmäßig auch

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