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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2013
Tödliche Hetze
Sozialethiker Friedhelm Hengsbach: »Wir brauchen Zeitrebellen«
Der Inhalt:

»Unser Geld ist sicher, auch wenn es draußen kracht«

von Wolfgang Kessler vom 12.04.2013
In Zypern oder Griechenland könnten regionale Währungen die Kraft der Menschen zur Selbsthilfe stärken. Wie in Brasilien

Die Finanzkrise in Europa hinterlässt immer tiefere Spuren: In Zypern sind Handwerk und Handel eingebrochen. In Athen hat jedes vierte Geschäft geschlossen, in Portugal schließen landesweit Betriebe. Dennoch hält die Europäische Unionan ihrer Sparpolitik fest. Auch Wachstumsprogramme sind nicht in Sicht.

Wenn jedoch teure Programme nicht erwünscht sind, warum unterstützt die Europäische Union dann nicht wenigstens kleinere Projekte wie regionale Währungen, die den Menschen vor Ort viel bringen können? Wie Beispiele aus Brasilien zeigen.

Dort sind 67 sogenannte komplementäre Währungen in Umlauf – komplementär meint, dass sie die Landeswährung Real ergänzen, nicht ersetzen. Die wichtigste heißt »Palmas« und wird von den mehr als 30 000 Bewohnern des Armenviertels Conjunto Palmeiras in der Millionenstadt Fortaleza im Nordosten des Landes genutzt.

Die Stadtverwaltung und kirchliche Aktivisten hatten schon Mitte der 1990er-Jahre festgestellt, dass die Menschen in Conjunto Palmeiras immer mehr verarmten. Und wenn die Einwohner doch Geld ausgaben, dann für Waren aus reicheren Teilen Brasiliens oder für ausländische Billigprodukte. Das Geld wanderte aus dem Viertel ab. Nach und nach machten Händler und Handwerksbetriebe dicht.

Dann kamen Joaquim de Melo, der Vertreter des Bischofs in diesem Viertel, und die Stadtverwaltung auf die Idee, die lokale Wirtschaft durch eine regionale Währung zu stützen, die nur in Conjunto Palmeiras gültig sein sollte. Im Jahr 1998 gründete de Melo mit einigen Partnern die Banco Palmas – mit einem Startkapital von umgerechnet 2000 Euro. Bei dieser Bank erhalten die Bewohner des Stadtviertels seither Gutscheine namens Palmas im Umtausch gegen die brasilianische Währung. Und nicht nur dies. Die Kunden der neuen Bank können auch kleine Beträge in Palmas zinsfrei leihen, um Waren zu kaufen, ein kleines Gewerbe aufzubauen oder das eigene zu sanieren. Voraussetzung für einen Kredit für Menschen ohne eigene Bankverbindung ist die Bürgschaft eines Verwandten oder eines Nachbarn. Die Bürger können zudem staatliche Leistungen in Palmas bezahlen. Wer gelegentlich für die Stadtverwaltung arbeitet, kann auch in Palmas entlohnt werden.

Nach Anfangsschwierigkeiten veränderte die neue Währung das Stadtviertel. Da Palmas nur in Conjunto Palmeiras ausgegeb

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