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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2013
Tödliche Hetze
Sozialethiker Friedhelm Hengsbach: »Wir brauchen Zeitrebellen«
Der Inhalt:

Ein Brand und keine Folgen

von Barbara Tambour vom 12.04.2013
Die Näherinnen in Textilfabriken schuften noch immer zu Hungerlöhnen. Immerhin reagieren die Outdoor-Hersteller

November 2012: Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch. 112 Menschen sterben. Die Fabrik produzierte auch für C&A und den Billiganbieter KiK. Zwei Monate zuvor hatte ein Feuer in der Textilfabrik Ali Enterprises in Karachi, Pakistan, fast 300 Tote gefordert. In beiden Fällen war der mediale Aufschrei groß, die öffentliche Entrüstung heftig. Hat das irgendetwas bewirkt? Haben sich die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in Pakistan, Bangladesch oder China seitdem verbessert?

»Nicht im Geringsten«, sagt Maik Pflaum von der Kampagne für Saubere Kleidung. Der einzige Unterschied zu früheren Vorfällen: C&A habe sich sehr schnell bereit erklärt, Hinterbliebene und Verletzte finanziell zu entschädigen. Die 1996 gegründete Kampagne will bessere Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsproduktion erreichen.

Wie katastrophal die Bedingungen sind, unter denen meist junge Näherinnen T-Shirts und Hosen auch für deutsche Marken nähen, ist der kritischen Öffentlichkeit längst bekannt. Dass Brandschutzvorschriften dort selten beachtet werden ebenso. Die Kampagne für Saubere Kleidung, der 21 Trägerorganisationen angehören, hat allein seit dem Jahr 2005 mehr als 700 Tote bei Fabrikbränden gezählt. Doch warum ändert sich nichts?

Wenn die Einkäufer von Adidas, Aldi Süd oder H&M Hemden und Hosen ordern, dann geht es um möglichst niedrige Stückpreise in möglichst kurzer Zeit. Deshalb lassen sie in Ländern produzieren, in denen die Löhne niedrig, die Arbeitslosigkeit hoch und die Arbeitsrechtsstandards niedrig sind. Und das, obwohl sich immer mehr Firmen zu einem Sozialkodex bekennen. Etliche unterziehen sich sogar für viel Geld Untersuchungsverfahren (Audits) – mit zweifelhaftem Ergebnis, wie Maik Pflaum findet: »Wenn Prüfer Näherinnen im Beisein ihres Chefs befragen, ob sie Überstunden bezahlt bekommen oder ob sie Repressalien während ihrer Arbeit erdulden müssen – welchen Wert hat das?«

Wie aber lassen sich bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen? Gemeint ist damit so Grundlegendes wie ein Lohn, der zum Leben ausreicht, bei maximal 48 Wochenarbeitsstunden, freiem Zugang zu den Toiletten während der Arbeit und dem Recht, sich gewerkschaftlich zu org

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