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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2013
Tödliche Hetze
Sozialethiker Friedhelm Hengsbach: »Wir brauchen Zeitrebellen«
Der Inhalt:

Afrika ist sehr weit weg

von Peter Otten vom 12.04.2013
Kirchengemeinden setzen ihre Marktmacht selten für faire und ökologische Produkte ein. Doch das scheint sich jetzt zu ändern

Die Kirchen in Deutschland kaufen jährlich Waren und Dienstleistungen von geschätzt sechzig Milliarden Euro. Doch diese Marktmacht wird bisher kaum für ökologisch und fair gehandelte Produkte und nachhaltiges Wirtschaften eingesetzt. Dabei fehlt es nicht an Initiativen, die Verantwortungsträger in den Kirchen für dieses Thema sensibel machen sollen, zum Beispiel die Christliche Initiative Romero (CIR): »Unsere Glaubhaft-fair-Kampagne und deren Materialien sind eher für die Kirchen und Gemeinden gedacht, die erste Schritte gehen wollen«, sagt Daniel Hügel von CIR.

Im Bistum Osnabrück zum Beispiel dürfen elf Gemeinden den Titel »Faire Gemeinde« führen, weil sie aus einem Katalog fairer und ökologischer Kriterien (etwa dem Einsatz regenerativer Energien, Verwendung fair gehandelter Blumen oder Konsum regionaler und biologisch erzeugter Lebensmittel) mindestens fünf verpflichtend eingeführt haben. Erste kleine Schritte.

Hanno Sparbier-Conradus hofft, dass solche Schritte allmählich zu einer »Kultur der Achtsamkeit« führen. Er ist Umweltbeauftragter im evangelischen Kirchenkreis Köln-rechtsrheinisch und Energiespezialist. Die klassische Beschaffungspraxis in den Gemeinden beschreibt er so: »Mitten im Winter gibt eine marode Heizungsanlage den Geist auf. Dann wird unter Druck schnell etwas installiert, ohne darüber nachzudenken, ob die Anschaffung nachhaltig und sinnvoll ist.« Zwar seien Gemeinden sensibel für ökologische Fragen. Aber die Bereitschaft, sich mithilfe eines Umweltmanagements grundsätzlich neu auszurichten, sei unterschiedlich ausgeprägt. Von den 28 Gemeinden seines Kirchenkreises seien es momentan vier, die systematisch vorgingen. »Das ist immer ein Spiegel des Interesses der handelnden Personen«, sagt Sparbier-Conradus. Die Agenda von Themen in Gemeinden sei eben oft auch lang, nachhaltiges Wirtschaften habe da nicht immer Priorität.

Hans-Jürgen Hörner war fünf Jahre Projektleiter bei Zukunft einkaufen. Diese ökumenische Initiative will Tagungshäuser, Gemeinden und kirchliche Verwaltungen durch einfache Management-Ansätze dazu anregen, grundsätzliche Veränderungen bei der Beschaffung einzuleiten. Sie hilft bei der Bestandsaufnahme, geht Checklisten durch und unterstützt bei der Auswertung der ermittelten Daten. »Da tun sich Gemeinden schwer. Denn da gibt es ja nicht den zentralen Beschaffer – ander

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