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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2019
Wahrheit
Auf der Suche nach einem Ideal
Der Inhalt:

Buch des Monats: Die Seele in der digitalen Welt

von Norbert Copray vom 22.03.2019
Christliche Lebenskunst für ein humanes Internet

Johanna Haberer
Leben in der Anderswelt
Ein spiritueller Ratgeber durch das Netz. Kreuz. 126 Seiten. 15 €

»Neuland« nannte Angela Merkel 2013 die digitale Welt, das Cyberspace, den virtuellen Raum. Johanna Haberer nennt sie »Anderswelt« und will für das »Leben in der Anderswelt« mit ihrem »spirituellen Ratgeber« orientieren. Sie sieht eine Ambivalenz dieser Digitalwelt, die den Gesellschaften destruktiv zusetzt und die menschlichen Beziehungen gefährdet.

Dabei ist die evangelische Theologin, Professorin für Christliche Publizistik an der Uni Erlangen-Nürnberg und Mitglied der Kommission für Datenethik der Bundesregierung selbst eine Digitalnutzerin und Anderswelt-Erfahrene. Stets hat sie ihr Smartphone zur Hand, hantiert mit Tablet und Notebook, ist ein News-Junkie. Sie nutzt die Vorteile der Digitalwelt. Gerade deshalb hat sie einen Sinn für deren Verführung und Blendung, die übersehen und vergessen lässt, was die Anderswelt auch bedeutet. Ihr Destruktionspotenzial und dessen Spätfolgen werden ihr zufolge nicht differenziert durchdacht.

Nach dem Diebstahl ihres Smartphones erkannte Haberer, »dass die digitale Vernetzung für mich zu einem mitentscheidenden Faktor meiner persönlichen Infrastruktur geworden ist«. Der Mensch verschwindet demnach in einer Anzahl von Nummern, ohne die er keinen Zugang mehr zur Welt, zum Cyberspace, zu einem Leben in der Gesellschaft hat. Seine Seele verschwindet. Haberer: »Wir sollten uns als Theologen und Christinnen wieder trauen, von der ›Seele‹ zu reden. Von der Seele jedes einzelnen Menschen als einem Mysterium. Die Seele lässt sich nicht in einen binären Code zwingen.« Denn »die Seele ist das Heiligtum im Menschen, das Innerste des Inneren, der unortbare Raum, auf den Gott einen Eigentumsvorbehalt hat.« Die »Sakralität der Person«, wie der Sozialphilosoph Hans Joas formuliert hat (s. Publik-Forum 23/2011, Seite 56).

So konfrontiert Haberer die Anderswelt mit ihrer biblischen Sicht und Kritik. Am Ende des Buches verdichtet sich ihre prophetisch-kritische Mahnung, indem sie fragt: »Gelingt es uns, die vernetzte und verdatete Welt zur Unterstützung bei der Information und Kommunikation zu nutzen – und dabei keinen Schaden zu nehmen an unserer Seele?« Ob es in ihrem Buch um Aufmerksamkeit, Wahrheit, Liebe oder Anerkennung geht: Deutlich

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