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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2017
Angriff auf die freie Wahl
Wie Datenjäger die Demokratie gefährden
Der Inhalt:

Das Salz in der Buchstabensuppe

von Josefine Janert vom 24.03.2017
Die kleinen Verlage gehen derzeit am Buchmarkt und auf der Leipziger Buchmesse fast unter. Dabei bauen gerade sie die neuen Autoren auf. Und setzen Themen für die ganze Branche

Da stehen sie wieder an ihren großen Ständen mit den Bestsellern, Bonbons und prominenten Autoren. Die großen deutschen Verlage präsentieren sich derzeit auf der Leipziger Buchmesse mit breitem Sortiment, Rundumprogramm, Autorenlesungen und kleinen Geschenken ans Publikum. Die vielen kleinen Verlage, die sich meist mit wenigen Titeln am Rande der Hallen niederlassen, haben es bei dem Rummel schwer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Und doch sind gerade sie das Salz in der bunten Buchstabensuppe. Ihr Programm ist für die kulturelle Vielfalt wichtig, weil sie jenseits der Bestsellerlisten auch exotische Themen aufgreifen und sich für ungewöhnliche Formate und Autoren engagieren.

Die Zahl der kleinen Verlage ist in den letzten Jahren gesunken. Laut einer Statistik des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gab es 2010 noch 514 Verlage mit einem Jahresumsatz bis 50 000 Euro; 2014 waren es nur noch 489. Die Branche kennt allerdings keine exakte Definition dessen, was überhaupt ein kleiner Verlag ist. Lieber spricht man beim Börsenverein von »unabhängigen« Verlagen. Das sind Häuser, die häufig von nur einem Inhaber oder einer Verlegerin geführt werden und nicht in eine größere Konzernstruktur eingebunden sind.

Monika Bilstein ist Chefin des unabhängigen Peter Hammer Verlages in Wuppertal. Der Verlag publiziert Literatur aus Afrika und Lateinamerika, Bilder- und Kinderbücher. Wer sie fragt, wie so ein kleiner und spezialisierter Verlag überhaupt überleben kann, bekommt gleich mehrere Bedingungen zu hören: »Hohe Qualität, strenges ökonomisches Denken, straffes Management und die Bindung der Autoren an den Verlag«. Vor allem aber: »Ein klares Profil!«

Darin ist sie sich einig mit dem Berliner Verleger Christoph Links, der ausschließlich Sachbücher publiziert, Bücher über die Kolonialzeit, die Nazizeit, die DDR-Geschichte, das 20. Jahrhundert, in letzter Zeit zunehmend über internationale Politik. Links hat seinen Ch. Links Verlag am 1. Dezember 1989 gegründet – eine der ersten Unternehmensgründungen in der DDR-Wendezeit. »Überschaubar und wiedererkennbar« müsse das Programm eines solchen Verlages sein, sagt Links und erzählt, wie er die Leser an sein Haus bindet: Über Jahre hinweg habe sein Verlag eine Kartei mit 20 000 Privatadressen aufgebaut. Wer dort seine Daten hinterlässt, wird regel

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