Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2017
Angriff auf die freie Wahl
Wie Datenjäger die Demokratie gefährden
Der Inhalt:

Afrika jenseits der Savanne

Ausstellung junger Freiwilliger zeigt pulsierendes Leben in Metropolen

„Du siehst mich“. Wenn ich‘s richtig verstehe, will das in der hebräischen Bibel gefundene Motto wie ein roter Faden tiefe menschliche Lebenserfahrungen ansprechen. Dass sich viele Menschen, Gruppen und Milieus in unterschiedlichsten Situationen gegenwärtig übersehen fühlen und das Empfinden haben, nicht wahrgenommen zu werden, wird vielfach beschrieben. Überbordende Terminkalender in der Psychotherapie oder überfüllte „PEGIDA-Marktplätze“ zeigen beispielhaft das Empfinden an, ganz und gar übersehen zu werden. – Du bist „angesehen“, bei deinem Namen genannt, du hast Deine Zeit und Deinen Platz unverwechselbar mitten in der empfindsamen Schöpfungsbewegung Gottes! Wenn das Feiern und Arbeiten auf dem Kirchentag diese biblische Grundgewissheit vitalisiert, werden uns die Konfessionslosen gewiss „erlöster“ (nach F. Nitzsche) und einladender erleben.

Apropos Konfessionslose! Ob die Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner die plakative Einladung des Kirchentages 2017 verstehen? Ich denke nicht. Und ich verstehe sie auch nicht. Ist der Glotz-Smiley Ergebnis einer gruppendynamischen Malübung des Kirchentagspräsidiums? Oder hat eine Firma, sonst für Reklame von Sportschuhen, Herrenparfum‘s und Rugby-Turnieren unterwegs, unsichere Auftraggeber überzeugt? Schon wieder flattert mir der Kirchentags- „St.Smiley“ ungebeten über das Smartphone-Display. Meint dieser glotzäugige Heilige mich? Ist das vielleicht eine Botschaft von Orwells „Großem Bruder“; – die Stasi kann‘s doch nicht mehr sein? Mahnt mich eine religiöse Kleingruppe, endlich den rechten Weg zu finden? Wer glotzt mich da eigentlich an? Neulich sah ich im Fernsehen honorig für den Kirchentag werbende Persönlichkeiten mit viel kleineren Augen. Sie standen unter den großen schwarzen Über-Augen des farbigen Plakates. Mir fiel Tilmann Mosers „Gottesvergiftung“ ein, das ich vor dreißig Jahren las: Der All-Gegenwärtige verfolgt selbst heimliches Schokoladenaschen. Und Strafe droht (Verwirf mich nicht von deinem Angesicht…! ), der Mensch wird mit religiöser Strategie klein gemacht bis zum Selbsthass, stellte damals T. Moser fest.

St. Smiley flattert mit seiner infantilen Botschafter wieder ungebeten auf mein Smartphone: Du siehst mich! – Hilfe, wie kriege ich nur eine Spamsperre in mein Telefon?

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen