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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2016
Der neue Mensch
Jens Reich über Fluch und Segen der Gen-Medizin
Der Inhalt:

Frohes Sterben

Roman. Lässig-nonchalant haben sie ihr Leben geführt, die fünf braungebrannten Erfolgstypen: der Spitzenjurist Wilhelm, der Softwareunternehmer Ernst, der Theaterintendant Siegfried, der Chefredakteur Carl und der Lebensmitteltechnologe Heinrich. Jetzt sind sie alt und erschrecken vor den ersten Zeichen der Hinfälligkeit. »Und jetzt ist Heulen und Zähneklappern – Drittezähneklappern«: Bisweilen schreibt er ein wenig albern und nicht sehr stilsicher, der vom Feuilleton hoch gepriesene Christoph Poschenrieder. Und seine Helden sind alles andere als sympathisch: Egomanen, Heuchler, reiche Zyniker. Aber der Plot ist gut, ungewöhnlich – und zwingt unaufdringlich zum Nachdenken.

Die fünf gründen eine Alten-WG – natürlich in einer Traumvilla am See, mit einer herzensguten russischen Krankenschwester und einem Hausarzt, der ihnen weit über die Grenze der Legalität hinaus jeden Wunsch von den Augen abliest. Die geldschweren Senioren wollen zusammen den Rest ihres Lebens genießen. Vor allem aber wollen sie selbstbestimmt sterben, und dafür ersinnen sie ein perfektes Computerprogramm, das den Todeswunsch des jeweiligen Kandidaten registriert und mit der Unbestechlichkeit eines Automaten unter den Freunden einen »Todesengel« auswählt, der ihn möglichst schonend und unbemerkt um die Ecke bringt.

Der Roman schrammt gefährlich an der Geschmacksgrenze entlang, ermutigt jedoch zu der sonst gern verdrängten Frage, wie human so ein Lebensende und so eine Sterbehilfe wirklich wären, wenn sie denn zur Selbstverständlichkeit würden.

Leisten die Freunde einander barmherzigen Beistand oder entsorgen sie auf bequeme Weise einen zur Last gewordenen Problemfall? Wann ve