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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2016
Der neue Mensch
Jens Reich über Fluch und Segen der Gen-Medizin
Der Inhalt:

El Niño und der afrikanische Löwe

Die Warnungen vor einer Hungerkatastrophe in Äthiopien mehren sich. In Wirklichkeit gelingt es dem Land, wenigstens teilweise aus dem Teufelskreis von Dürre und Hungersnot auszubrechen

Als im Frühjahr die »Belg«-Niederschläge ausblieben, wussten die Bauern und Hirten in Äthiopien, dass eine schwere Zeit anbrechen würde. Als im Sommer auch die Kiremt-Regenzeit in einigen Regionen fast ganz ausfiel, wussten sie, dass eine katastrophale Zeit anbrechen würde. Viele, die die Hungersnot von 1984 überlebt hatten, fühlten sich an die Dürre erinnert, der rund eine Million Menschen zum Opfer fielen.

Im vergangenen Jahr fielen die Ernten in einigen Landesteilen bis zu neunzig Prozent geringer aus. Ursache der Dürre ist das Wetterphänomen El Niño, das auftritt, wenn die Ozeane im großen Umfang Hitze an die Atmosphäre abgeben. Als Folge könnten nach Prognosen der Vereinten Nationen und der äthiopischen Regierung in diesem Jahr rund 400 000 Äthiopier von schwerer und 1,7 Millionen Menschen von moderater Mangelernährung betroffen sein. Zwei Millionen Menschen könnten keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser haben, 800 000 Menschen gezwungen werden, in andere Landesteile zu fliehen. Auch das Ausbrechen von Krankheiten wird nicht ausgeschlossen.

Dennoch: Bis vor rund dreißig Jahren hätte eine schwere Dürre in Äthiopien automatisch zu einer Hungersnot geführt. 2016 wird es höchstwahrscheinlich keine Bilder von verhungerten Äthiopiern geben. »Die Folgen von El Niño stellen Äthiopien vor große Herausforderungen, aber zusammen mit seinen internationalen Partnern wird die Regierung die Bedürfnisse der Bevölkerung befriedigen«, hat Mitiku Kassa, Vorsitzender des Nationalen Katastrophen-Präventions-Komitees, versprochen.

Denn die Dürre trifft Äthiopien nicht unvorbereitet. 2013 entwickelte der Staat eine Strategie, die Frühwarnsysteme stärkte und die Lebensm