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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2014
Das Genmais-Komplott
Wie Konzerne eine Technologie durchsetzen, die keiner will
Der Inhalt:

Dieheimliche Umverteilung

von Arno Gahrmann vom 28.03.2014
Die Unter- und Mittelschicht zahlt über den Konsum Milliarden an Kapitaleigentümer und Banken – und kaum jemand interessiert sich dafür

Der Fall Hoeneß verweist darauf, das Sozialwort der Kirchen spricht es an und auch die neueste Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung stellt fest: Kein anderes Land in der Eurozone hat eine so ungleiche Vermögensverteilung wie Deutschland. Dies wird inzwischen immerhin öffentlich diskutiert. Im Gegensatz zu der heimlichen Umverteilung, die gerne verschwiegen wird.

Klar ist, dass die Managergehälter in den vergangenen zwanzig Jahren rasant gestiegen sind und teilweise das Hundertfache der unteren Lohngruppen betragen. Dagegen sind die Reallöhne in den vergangenen zwanzig Jahren um drei Prozent gesunken. Tabuisiert wird jedoch, dass über die Portemonnaies der Bürgerinnen und Bürger klammheimlich eine Umverteilung von unten nach oben stattfindet, die die Einkommensunterschiede in den Schatten stellt. Wer weiß schon, dass mit jedem Kauf neben der Mehrwertsteuer mindestens noch einmal so viel zur Bedienung des Mehrwerts bezahlt wird, der in Form von Zinsen und Gewinnen an die Kapitaleigner geht?

Nehmen wir einen Neuwagen aus Bayern: Sein Nettopreis (ohne Mehrwertsteuer) setzt sich wesentlich zusammen aus Personal-, Material- und Kapitalkosten. Der Personalaufwand beträgt gerade mal zehn Prozent der Kosten. Etwa ebenso viel machen die Kapitalkosten wie Zinsen, Gewinne und Abschreibungen aus. Die verbleibenden Kosten entfallen vor allem auf die Vorlieferungen. Doch auch in diesen stecken wieder Personal- und Kapitalkosten. Das heißt: Vom Nettopreis dieses Neuwagens fließt letztlich nur die Hälfte an die Arbeitnehmer, genauso viel wie an die Eigentümer, Gläubiger und Banken.

Nun könnte man argumentieren, dass auch die Arbeitnehmer aus Sparbüchern, Belegschaftsaktien und Riesterpapieren Kapitaleinkommen erzielen. Und das ist ja auch nicht falsch. Die Frage ist nur, was stärker wiegt – das Einkommen aus dem Kapital oder die Kapitalabgabe in den Preisen. Diese Antwort hat schon vor Jahren Helmut Creutz in seinem Buch »Das Geld-Syndrom« gegeben: Im Jahr 1990 zogen die reichsten 15 Prozent aller Haushalte Westdeutschlands den ärmeren 85 Prozent mehr als 110 Milliarden D-Mark aus der Tasche.

Eine wirtschaftswissenschaftliche Schätzung auf der Basis des Volkseinkommens von 2010 deutet eine horrende Umverteilung an: Danach erhalten die reichsten zwanzig Prozent der Haushalte über ihre Kapitaleinkommen jährlich

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