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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2014
Das Genmais-Komplott
Wie Konzerne eine Technologie durchsetzen, die keiner will
Der Inhalt:

Der Tod kommt täglich

von Bettina Rühl vom 28.03.2014
In der Zentralafrikanischen Republik spaltet der Hass zwischen den Religionsgemeinschaften die Familien. Doch die Christin Princia und ihr Mann, der Muslim Erwé, sind unzertrennlich

Erwé Wasseré geht seinen Besuchern bis zur Grundstücksgrenze entgegen, streckt zur Begrüßung die Hand aus, öffnet sogar ein wenig die Arme in einer Geste, die er dann doch nicht in einer Umarmung vollendet. Der 43-Jährige bekommt dieser Tage selten Besuch, und seine Freude ist unmissverständlich. Wasseré wohnt in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. Dort sind Kämpfe zwischen muslimischen und pro-christlichen Milizen in allgemeine Gewalt ausgeufert.

Die Krise begann im März 2013 mit einem Putsch der überwiegend muslimischen Rebellenkoalition Séléka (»Allianz«). Die Rebellen begingen und begehen schwere Kriegsverbrechen an der christlichen Bevölkerung, die daraufhin ihrerseits bewaffnete Gruppen bildete. Unter dem Namen Anti-Balaka (»Gegen die Macheten«) fanden sich lokale Milizen, Deserteure der Armee und Banditen zusammen, die seither grausame Verbrechen an den Muslimen begehen und immer hemmungsloser plündern.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden bereits 2000 Menschen beider Konfessionen getötet. Rund eine Million Menschen sind im Land auf der Flucht, Zehntausende haben jenseits der Grenzen Zuflucht gesucht. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist auf Hilfe angewiesen, warnen die Vereinten Nationen: auf Nahrung, sauberes Trinkwasser, medizinische Behandlung. Der Anteil derer, die tatsächlich Hilfe bekommen, ist gering. Die rund 1600 französischen und etwa 6000 afrikanischen Soldaten sind nicht in der Lage, Morde, Plünderzüge und Vertreibungen zu verhindern.

Inzwischen rechnet Wasseré kaum noch mit Gästen, die in friedlicher Absicht kommen. Vielmehr fürchtet er jetzt eher Geräusche an der großen Eisentür in der Mauer, die das Grundstück seiner Familie umfasst. Wasseré ist Muslim, die meisten seiner Nachbarn sind Christen. »Ich habe Angst«, sagt er. Angst vor den Nachbarn, mit denen er früher manchmal auf einen Plausch zusammensaß. Und falls dazu keine Zeit war, grüßte man sich freundlich und wechselte ein paar Worte, wenn man sich in den Gassen des Viertels begegnete.

Erwé geht nur selten vor die Tür

Wasseré trägt eine hellblaue, goldgelb bestickte Gandura, das bodenlange Gewand vieler Muslime. Er hat die Gandura früher angezogen, ohne sich über seine Kleidung viel

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