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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2013
Unser Papst?
Der Inhalt:

Zusammen ist man weniger allein

von Teresa Schneider vom 22.03.2013
Steigende Mietpreise vertreiben mehr und mehr Bürger aus den Stadtzentren. Dagegen wehrt sich das Mietshäuser-Syndikat

Hier wollen wir einen großen Gemeinschaftsraum einrichten«, Andreas Gißler, lange rotblonde Haare und Vollbart, tippt mit dem Finger auf den ausgebreiteten Grundriss vor ihm auf dem Tisch. »Dort veranstalten wir dann regelmäßig Nachbarschaftstreffen, aber auch öffentliche Vorträge, Lesungen und Konzerte.« Der 26-jährige Lehramtsstudent aus Heidelberg grinst: »Vielleicht haben wir ja auch genügend Platz für eine kleine Werkstatt.«

Während Andreas Gißler von den Ideen für sein zukünftiges Zuhause schwärmt, malen seine Hände unsichtbare Linien auf das Papier. Zusammen mit neun Freunden zwischen 25 und 37 Jahren hat er den kühnen Plan gefasst, ein Haus im Heidelberger Stadtteil Kirchheim zu kaufen, um dort auf Mietbasis zu wohnen: Ein Haus zum gemeinschaftlichen Leben. Ein Haus, das vor Verkauf geschützt und dauerhaft bezahlbar ist. Eine Art zu wohnen und zu leben, wie sie die Initiative Mietshäuser-Syndikat in ganz Deutschland fördert. Sie will bezahlbaren Mietraum zum Wohnen und zum Arbeiten sichern – und die Bewohner vor Spekulanten und Preistreibern schützen.

Neben Großstädten wie München und Hamburg sind längst auch kleine Studentenstädte wie Heidelberg und Münster von Wohnungsknappheit und laufenden Mietpreiserhöhungen betroffen. Einkommensschwache Haushalte bezahlen laut Mieterbund inzwischen fast die Hälfte ihres Nettoeinkommens für die Miete. Um ihrem Traum vom eigenen Haus näherzukommen, haben sich die zehn jungen Heidelberger deshalb an das Mietshäuser-Syndikat gewendet.

Mit Unterstützung des Syndikats, das vor knapp zwanzig Jahren von ehemaligen Hausbesetzern in Freiburg ins Leben gerufen wurde, sind inzwischen 68 selbstverwaltete Hausprojekte in ganz Deutschland entstanden. »Die Wohnhäuser sind so vielfältig wie die Menschen, die in ihnen leben«, sagt Syndikats-Mitbegründer Stefan Rost: Von der Polit-WG im Einfamilienhaus zum Seniorenwohnprojekt, vom Gewerbebau zum Soziokulturzentrum, vom großen Mietshaus mit Alleinerziehenden, Familien, Wohngemeinschaften, Läden und Werkstätten bis hin zum ehemaligen Kasernenensemble mit über zweihundert Bewohnern. Und doch verfolgen alle Wohnprojekte ein gemeinsames Ziel: Mietshäuser sollen durch den gemeinschaftlichen Kauf dem Immobilienmarkt entzogen werden und langfristig der Gemeinschaft zur Verfügung stehen.

Um Spekulation mit Wohnraum zu verhindern, bedient sich

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