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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2013
Unser Papst?
Der Inhalt:

Und er schlugmich ins Gesicht

von Constanze Bandowski vom 22.03.2013
Fatema Adel, 45, floh aus Afghanistan nach Hamburg. Heute betreut sie Flüchtlingskinder beim Roten Kreuz

Endlich hört mir mal jemand zu. Sie glauben gar nicht, was ich in Deutschland durchgemacht habe. Acht Jahre musste ich warten, bis mein Asylantrag endlich genehmigt wurde. Acht Jahre! Das Schlimmste war, dass ich während dieser ganzen Zeit nicht arbeiten durfte. Das macht einen psychisch krank. Aber jetzt erzähle ich erst mal, wie das überhaupt passiert ist.

Ich komme aus Afghanistan. Vor 45 Jahre wurde ich in Herat geboren. Meine Mutter war Lehrerin, mein Vater Bauingenieur. Ich habe in meiner Heimat Agrarwissenschaften studiert und arbeitete zehn Jahre lang als Sekretärin bei den Vereinten Nationen im Welternährungsprogramm. Während dieser Zeit kamen meine ersten beiden Kinder zur Welt. Dann kam es zu dem Vorfall, den ich niemals vergessen werde, denn dies war der Grund, warum ich mit meinem Mann, den Kindern und meinen Eltern Afghanistan verlassen musste.

Es war der 3. August 2000. An diesem Tag sollten wir in einem Krankenhaus Lebensmittel verteilen. Ich war für die Durchführung des Einsatzes zuständig. Der Projektverantwortliche kam zu mir, um die Durchführung abzusprechen. Er war Deutscher und wusste nicht, dass er einen Raum voller Frauen nicht betreten durfte. Also ging ich an die Tür und sprach etwa zwei Minuten mit ihm. Leider bemerkte ich nicht, dass uns der Direktor des Krankenhauses beobachtete. Er war Taliban-Anhänger. Als ich zurück in den Raum kam, schlug er mich vor den Augen der anderen Mitarbeiter ins Gesicht. Ich war geschockt. Er beschimpfte mich als Nutte und schlug mich weiter. Ich riss mir vor Wut den Schleier vom Gesicht und wir stritten uns mehr als eine Stunde lang. Dann sperrten sie mich ins Büro. Nach eineinhalb Stunden kam ein Kollege von der UNO und konnte meine Freilassung erreichen. Er musste aber zusichern, dass ich nicht mehr in dem Krankenhausprojekt eingesetzt würde. Den deutschen Projektleiter habe ich nie wiedergesehen.

Von diesem Tag an hatte ich Angst um mein Leben. Ich erfuhr, dass der Direktor meine Adresse ausfindig gemacht hatte und mich ins Gefängnis bringen wollte. Also wechselte ich ständig meinen Aufenthaltsort. Selbst mein Arbeitgeber konnte mich nicht vor Übergriffen der Taliban schützen. Nach etwa drei Wochen entschied ich mich zur Flucht nach Pakistan. Ich hoffte auf eine Anstellung im UNO-Hauptstadtbüro in Islamabad. Das klappte aber nicht, und so organisierten wir die Flucht. Eigent

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