Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2013
Unser Papst?
Der Inhalt:

Ein »Omnibus« mit viel Seele

von Christoph Renzikowski vom 22.03.2013
Ordensleute bieten Zuhause auf Zeit für Eltern kranker Kinder

Kaum den Kaiserschnitt überstanden, setzte sich Doreen in den Zug von Frankfurt nach München. Schnellstmöglich wollte sie bei ihrem Mann und am Intensiv-Bett ihres kleinen Hannes in der Kinderklinik sein. Der Junge war mit einer Fehlbildung der Speiseröhre und offener Kehlkopfspalte zur Welt gekommen. Nach einem lebensnotwendigen Luftröhrenschnitt musste er zu Spezialisten nach München verlegt werden.

Doch wo übernachten? Freunde oder Verwandte hat die junge Mutter in der Stadt nicht; die Preise für Hotels in München sind hoch. »Komm mit, wir schlafen im Omnibus«, sagte ihr Mann. »Was? Da können wir ja gleich im Auto übernachten!« Am Frühstückstisch im Omnibus prusten alle los, als Doreen den Wortwechsel mit ihrem Mann vor elf Wochen wiedergibt. Dass sich der vermeintliche Bus als »Zuhause auf Zeit« für Eltern schwer kranker Kinder entpuppte, war für die erschöpfte Frau ein Segen.

50 Betten in 24 Zimmern mit kleinen Namens-Wolken an der Tür bietet das wie eine WG angelegte Wohnheim – unentgeltlich. Die Eltern kommen aus vielen Ländern. »Uns interessiert nur die Not der Menschen und nicht, woher sie kommen oder was sie glauben«, sagt Pater Engelbert Petsch. Der Omnibuslateinisch: »für alle« – ist offen für alle.

Der Franziskaner sorgt mit seinem Mitbruder Benedikt und der Barmherzigen Schwester Daniela für die Gäste, begleitet sie durch Höhen und Tiefen. Lädt sie ein zum Austausch. Etwa beim Frühstück. »In der Gemeinschaft ist alles erträglich«, findet Doreen. Die Sorgen in einem Kreis loszuwerden, der versteht und sich bei kleinsten Fortschritten auch mitfreut – eine bessere Unterkunft in München hätte ihr Mann damals nicht finden können. Gleich gegenüber der Klinik. – Frühstück, dann zum Kind, Hilfe bei der Pflege, Kuscheln und Zeit genießen mit dem Nachwuchs, Gespräche mit Ärzten und dem Stationsteam; nach der Mittagspause erneut auf die Station bis abends um halb acht, Abendessen: Den Tagesablauf der Eltern – wochentags vorwiegend Mütter – bestimmen die geregelten Besuchszeiten der Klinik.

»Die haben einen großen Vorteil«, sagt Pater Engelbert: »Sie geben Eltern die Erlaubnis, auch mal nicht beim Kind zu sein, etwas für sich zu tun.« Seit 2011 leitet der 33-Jährige das Franziskaner-Projekt und lebt wie Bruder Benedikt und Schwester Daniela unter demselben Dach wie die

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen