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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2012
Gesellige Einzelgänger
Pilgern: Sich selbst auf der Spur – und vielleicht auch Gott
Der Inhalt:

Der Weg mit Alzheimer

von Anita Rüffer vom 04.05.2012
»Es gibt ein Leben nach der Diagnose«, sagt Christian Zimmermann, der selbst von der Krankheit betroffen ist. Er hat ein Buch geschrieben und macht anderen Betroffenen Mut

Auch Machos mit Zigarre sind davor nicht gefeit: Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer sorgte mit seinem öffentlichen Bekenntnis, an Alzheimer erkrankt zu sein, für Schlagzeilen. Der einstige »Playboy« Gunter Sachs hatte sich im vergangenen Jahr mit seinem Suizid als Alzheimer-Kranker geoutet: »Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten«, hatte der 78-Jährige in seinem Abschiedsbrief hinterlassen.

»Jeder muss eine Entscheidung treffen und hat auch eine Wahlmöglichkeit«, sagt Christian Zimmermann. Gunter Sachs hat den Tod gewählt, Christian Zimmermann wählt das Leben. Obwohl auch er im Jahr 2007 mit der Diagnose »Alzheimer« konfrontiert wurde. Da war der gelernte Werkzeugmacher 57 Jahre alt und leitete gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter ein mittelständisches Unternehmen in München. Er hätte allen Grund zum Verzweifeln gehabt. Und er macht auch keinen Hehl aus der Erstarrung, in die er zunächst verfiel, als er erfuhr, warum er sich in letzter Zeit weder an Termine mit Kunden noch deren Namen erinnern konnte. Aber: »Es gibt ein Leben nach der Diagnose!«, ist heute einer seiner Lieblingssprüche. Wie er dieses Leben danach angegangen ist und bis heute gestaltet, ist nachzulesen in seinem Buch: »Auf dem Weg mit Alzheimer«.

Es wirkt paradox: Ein von Demenz betroffener Mensch, der sich selbst in geschliffenen Sätzen zu Wort meldet und der den 1,2 Millionen Leidensgenossen in Deutschland, darunter 20 000 Personen unter 65 Jahren, Mut machen will, »das Neue, das da in mein Leben tritt und dem man die Bezeichnung Alzheimerdemenz gibt, zu akzeptieren«. Zu solchen Erkenntnissen muss ein Mensch intellektuell erst mal in der Lage sein. In einer Sendung des Bayerischen Rundfunks war der einst technisch versierte Mann kürzlich dabei zu beobachten, wie er ratlos vor seinem CD-Player kniet. »Falsch rum«, diagnostiziert er schulterzuckend, als die CD keine Töne von sich gibt. »Das wird nix«, sagt er, nachdem er sich vergeblich bemüht hat, die Überschrift einer Zeitung zu entziffern.

Was auffällt, sind der Gleichmut und der Humor, mit dem Zimmermann seine Grenzen akzeptiert und Hilfe annimmt, wo er allein nicht weiterkommt: Beim Pulloveranziehen, beim CD-Einlegen. Das hat überhaupt nichts Peinliches und strahlt eine selbstverst

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