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Buchtipp: Die späten Tage
Die ganze Wahrheit über alte Körper und die Liebe

Im Alter von 80 Jahren hat Natascha Wodin sich noch einmal verliebt. In ihrem Buch »Die späten Tage« erzählt sie, wie die kurze Zeit, die dem Paar gegeben ist, ihre Liebe befeuert.
von Eva-Maria Lerch vom 11.03.2026
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Autofiktion. Im Alter von 80 Jahren hat Natascha Wodin sich noch einmal verliebt. Ihr neuer Lebenspartner ist Friedrich, ein pensionierter Mathematiker aus Lübeck. Er ist Mitte 80. Nachdem er ihr preisgekröntes Buch »Sie kam aus Mariopol« über ihre ukrainische Mutter gelesen hat, war Friedrich so berührt, dass er die Autorin kennenlernen wollte. »Hab noch einmal Mut«, schrieb er ihr nach dem ersten Besuch: »Ich komme zu dir, morgen, jetzt gleich. Ich bringe dir meine ganze Seele und die Reste meines Körpers.«

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 5/2026 vom 13.03.2026, Seite 54
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Genau darum – um die ganze Seele und die Reste des Körpers – geht es in diesem Buch. Anders als viele trendige Bücher und Artikel, die das Alter gerade gern als faltenfrohe, freie Lebensphase glorifizieren, schreibt Wodin die ganze Wahrheit über die schmerzenden, allmählich zerfallenden Körper der beiden Liebenden. Sie schildert ihre Schlaflosigkeit, die Unbeweglichkeit ihrer schweren Beine, ihre Vergesslichkeit und Scham sowie die welke Haut, die tiefen Falten und das bleiche Gesicht ihres betagten Liebhabers.

Zugleich wird deutlich, wie gerade die kurze Zeit, die den beiden gegeben ist, ihre Liebe auf schmerzliche Weise befeuert: »Während wir uns fanden, nahmen wir ständig Abschied, wir konnten uns kaum voneinander lösen, weil wir nicht wussten, ob es eine nächste Umarmung geben würde. Noch nie hatte ich den Körper eines Mannes so geliebt wie das, was Friedrich seine Reste nannte.«

Das Buch folgt keinem Plot, es besteht aus Beobachtungen, kleinen Schnipseln, spontanen Erinnerungen und Erkenntnissen, die wie unzusammenhängend scheinen und sich doch zu einem nachdenklichen Text formen, der eine tiefe, unprätentiöse Wärme und Weisheit birgt – und die Leserin so hineinzieht, dass sie mit der Autorin fortwährend um Friedrichs Leben bangt.

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Schlagwort: Eva-Maria Lerch
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