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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2020
Menschen statt Grenzen
Wie eine Feministische Außenpolitik die Welt verändern könnte
Der Inhalt:

»Rassismus ist ein Gift«

vom 13.03.2020
Migrantenverbände fordern in einem offenen Brief an Angela Merkel, den strukturellen Rassismus zu bekämpfen. Wir veröffentlichen Auszüge

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

wir haben den Austausch mit Ihnen bei den Integrationsgipfeln stets als sehr angenehm und konstruktiv erlebt. Dafür danken wir Ihnen. Heute wenden wir uns öffentlich an Sie, da der grausame rassistische Anschlag in Hanau, die Vorgänge in Thüringen und die Aufdeckung der Terrorzelle Teutonico uns dazu zwingen, laut und vehement eine gesellschaftliche Debatte über Rassismus und Rechtsextremismus einzufordern. Wir tun dies (…) stellvertretend für das Viertel der Bevölkerung, das um seine Unversehrtheit, um seine Zukunft und die seiner Kinder fürchtet (…), Menschen, die nicht selbst von Rassismus betroffen sind, nehmen ihn oftmals nur in Extremfällen wahr (…), Menschen, die betroffen sind, nehmen nahezu täglich Rassismus in all seinen Ausformungen wahr. Das liegt auch daran, dass das Wissen über (strukturellen) Rassismus in diesem Land nur gering ausgeprägt ist.

Die Würde des Menschen ist nicht gleichermaßen unantastbar für alle Menschen in Deutschland 2020. 19 Millionen Menschen sind in Schule, Ausbildung, am Arbeits- und Wohnungsmarkt nachweislich teils massiven strukturellen Diskriminierungen ausgesetzt (…) Die betroffenen Menschen verlieren das Vertrauen in eine Verfassung, die sie nicht schützt. (…)

Sie haben Rassismus als Gift in unserer Gesellschaft bezeichnet und toxisch ist er in der Tat. Es ist ein Gift, das nur Betroffene spüren, das nur Betroffene tötet, selbst wenn es die Gesellschaft im Ganzen zersetzt. Es braucht daher uns, die Betroffenen, um nachhaltige und wirksame Strategien zu entwickeln. Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, in Ihrem gesamten vierten Kabinett gibt es nicht eine einzige Person, die selbst über Erfahrungen mit Rassismus verfügt. (…) Für uns, die 23,6 Prozent der Bevölkerung, deren Kanzlerin Sie ebenfalls sind, ist das entmutigend. (…)

Deutschland in Zahlen, das sind laut Statistik aktuell circa 19,9 Prozent Kinder und Jugendliche (0-24 Jahre alt), 20 Prozent Menschen aus Ostdeutschland (inklusive Berlin!), 21 Prozent Senioren und 23,6 Prozent Menschen mit Migrationsgeschichte. Man stelle sich ein Kabinett vor, das nicht einen einzigen Ostdeutschen umfasst oder keine einzige Frau. (…) Wir bitten Sie (…) einen ständigen Partizipationsrat Einwanderungsgesellschaft aus Wissenschaftlerinnen und Vertretern von Migrantenorganisationen zu schaffe

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