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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2020
Menschen statt Grenzen
Wie eine Feministische Außenpolitik die Welt verändern könnte
Der Inhalt:

»Die Natur braucht unsere Hilfe«

von Gunhild Seyfert vom 13.03.2020
Kerstin Slater und ihr Sohn Cedrik helfen im Frühjahr Kröten über die Straße – unterstützt von ihrer Hündin

Wenn es jetzt abends wärmer wird, beginnen sie wieder zu laufen. Die ersten Kröten sind unterwegs zu ihrem Laichgewässer. Dann gehen mein Sohn Cedrik und ich raus auf die Straße vorm Haus und sammeln die Kröten ein. Wir tragen sie in Eimern auf eine Wiese. Dort ist ein kleines Gewässer, ein Entwässerungsgraben zwischen den Feldern. Dort wollen die Kröten hin zum Laichen.

Es begann vor zwei Jahren. Da gingen Cedrik und ich abends spazieren und haben 16 tote Kröten gefunden. Alle waren sie von Autos überfahren worden. Die Kröten kommen von einem bewaldeten Hügel in der Nähe unseres Hauses. Sie müssen durch Gärten, Zäune, Hofeinfahrten und über die Straße, um zu ihrem Laichgewässer zu gelangen. Ich konnte an den toten Tieren doch nicht einfach vorbeigehen! Cedrik und ich haben beschlossen, dass wir am nächsten Abend wieder rausgehen und versuchen, so viele Kröten wie möglich vor dem Überfahrenwerden zu retten. Das haben wir sieben Wochen lang, von Mitte Februar bis Anfang April, regelmäßig jeden Abend gemacht. Wir haben 600 lebende, vierzig tote Kröten und zwanzig Molche entdeckt. Ein Jahr später, im Jahr 2019, waren es 530 lebende Kröten, 24 tote Kröten und neun Molche. Ich habe das für jeden einzelnen Tag notiert und dann zusammengerechnet.

Gleich zu Beginn habe ich Kontakt aufgenommen zum Naturschutzbeauftragten unserer Gemeinde Wallenhorst. Es war neu, dass die Kröten diesen Weg wählen. An anderen Stellen stehen Krötenschutzzäune, aber hier ist das wegen der Bebauung mit Häusern schwierig. Man bemüht sich – aber zurzeit hat die Gemeinde noch keine Lösung. Ich habe zugesagt, dass ich so lange abends Kröten einsammele, bis eine Lösung gefunden ist. Für dieses Engagement und als Entschädigung für unseren Aufwand hat die Gemeinde meinen Sohn und mich vor Kurzem mit dem Wallenhorster Umweltschutzpreis ausgezeichnet.

Bei der Krötensuche mit dabei ist immer unsere Jack-Russell-Hündin Teira. Sie riecht die Kröten und stupst sie an, wenn sie sich zwischen den Latten von Zäunen verstecken, in Gräben und Mulden. Ich gehe jeden Abend zweimal raus. Zuerst mit Cedrik und später noch einmal, gegen 22 Uhr. Jedes Mal sind das circa 45 Minuten, insgesamt eineinhalb Stunden am Tag. Manchmal fällt es mir schwer, denn ich bin Rheumapatientin, ich habe Fibromyalgie. Aber ich soll ja in Bewegung bleiben. Auch wenn es mir manchmal schwerfällt – ich ma

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