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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2018
Der Kampf um den Sand
Die Gier nach dem Rohstoff bedroht Mensch und Umwelt
Der Inhalt:

Hilfeschrei aus dem Ruhrgebiet

von Eva-Maria Lerch vom 09.03.2018
Die Entscheidung der Essener Tafel, nur noch Deutsche aufzunehmen, ist falsch. Aber der eigentliche Skandal ist die Politik in Berlin

Die Essener Tafel lässt keine neuen Ausländer mehr zu. Nachdem der Anteil der Migranten bei den Tafelkunden auf 75 Prozent gestiegen sei, würden alleinerziehende und ältere Deutsche sich dort nicht mehr wohlfühlen und wegbleiben, erklärt der Essener Tafelchef Jörg Sator. Deshalb werde die Essener Tafel vorerst nur noch Berechtigungen an Bürger mit deutschem Pass ausgeben. Das ist eine falsche und unselige Entscheidung, die wie ein schrilles Signal ins Land hinein schallt und nun aufgeregt auf allen Kanälen diskutiert wird. Während AfD-Politiker und CSU-Minister den Essener Ehrenamtlichen auf die Schulter klopfen, warnen Kritiker – von Sozialverbänden über Migrantenvertreter bis hin zu Kanzlerin Merkel – vor der fremdenfeindlichen Wirkung der Entscheidung. Doch der eigentliche Skandal liegt nicht bei den Ehrenamtlichen im Ruhrgebiet, sondern bei den Politikern in Berlin.

Die 934 Tafeln, die in Deutschland 1,5 Millionen Menschen mit vergünstigten Nahrungsmitteln versorgen, sind nicht nur ein bewegendes Beispiel für gesellschaftliches Engagement, sondern auch ein Symptom für das Versagen des Sozialstaats. Es ist kein Zufall, dass die Tafelbewegung sich erst seit 25 Jahren – also fast zeitgleich mit den Hartz-IV-Gesetzen – explosionsartig im Land verbreitet hat.

Jede neue Tafel, die hierzulande eröffnet werden muss, macht deutlich, wie groß die Not vieler Menschen infolge der Agenda 2010 geworden ist und wie weit die Schere zwischen Arm und Reich inzwischen klafft. Während die Wirtschaft Rekordgewinne einfährt und die Politik sich vor Steuereinnahmen kaum zu retten weiß, stehen Alleinerziehende, Rentnerinnen, prekär Beschäftigte, arbeitslose Leiharbeiter, gebrechliche Menschen und Flüchtlinge landauf, landab bei den Tafeln um Konserven vor dem Verfallsdatum und Brötchen vom Vortag an. Damit vernachlässigt der Staat die Sorge um seine schwächsten Mitglieder und verlagert seine ureigenen Aufgaben auf unbezahlte und zunehmend überforderte Helfer. Die Verteilungskämpfe an der Tafel, vor denen die Essener jetzt kapituliert haben, sind nur eine Folge der ungerechten Verteilung der Mittel zwischen den oberen und unteren Schichten in einem der reichsten Länder der Erde. Es ist deshalb zynisch, wenn Politiker die Essener Tafel jetzt als rassistisch kritisieren oder – je nach politischer Ausrichtung – den Vorsitzenden in Essen anrufen und jovial in seiner Entscheidun

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