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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2017
Weisheit aus der Wüste
Das spirituelle Erbe der frühen Christen
Der Inhalt:

Aufgefallen: Der stille Anführer

von Ulrich Krökel vom 10.03.2017
Der Mathematikprofessor Nicusor Dan ist alles andere als ein Volkstribun. Doch er repräsentiert den Geist der aktuellen Protestbewegung in Rumänien

Nicusor Dan hat wenig von einem Volkstribun. Wo Populisten poltern, da sagt der 47-jährige Mathematikprofessor und Chef der rumänischen Antikorruptionspartei USR (Union Rettet Rumänien) eher stille Sätze, etwa: »Ich bin unangenehm überrascht von den Entscheidungen des Premierministers.«

Damit, so könnte man meinen, lockt man keine Massen zum Protest auf die Straße. Und doch demonstrieren in Bukarest und vielen anderen Städten Rumäniens seit Wochen Zehntausende Menschen im Sinne Dans gegen die Regierung der postkommunistischen, ins Linkspopulistische gewendeten PSD. In der Partei gab es wiederholt drastische Fälle von Korruption. So wurde der ehemalige PSD-Premier Victor Ponta 2015 wegen Geldwäsche angeklagt.

Dennoch gewannen die Sozialisten im Herbst 2016 die Parlamentswahl. »Menschen vergessen Skandale schnell, das ist ein psychologisches Phänomen«, sagte Dan damals, auf der Suche nach Erklärungen. »Zu schnell«, fügte er im Januar hinzu, als die »unangenehme Entscheidung« der Regierung bekannt wurde, Korruption bis zu einer Grenze von 50 000 Euro straffrei zu stellen, wovon viele PSD-Mitglieder profitiert hätten, allen voran Parteichef Liviu Dragnea, der aus dem Hintergrund heraus die Politik des Premiers Sorin Grindeanu lenkt.

Angesichts der Massenproteste musste die Regierung ihr Dekret zurückziehen. »Das ist aber zu wenig«, sagt Dan, und so sehen es auch die vielen Demonstranten, die nicht weichen wollen. Es ist die junge, weltoffene, europafreundliche Generation, die den oft sozial abgehängten, eher ungebildeten und meist älteren PSD-Wählern und ihrer Regierung gegenübertritt.

Der politische Seiteneinsteiger Dan stammt aus dieser »generation.eu«. Der Mann mit dem kurzen schwarzen Haar und den Resten von Babyspeck im Gesicht gewann schon als Schüler zweimal die Internationale Mathematik-Olympiade. Er studierte in Paris und engagierte sich nach seiner Rückkehr in der Stadtpolitik der Hauptstadt Bukarest, um eine »Zerstörung unseres kulturellen und architektonischen Erbes« zu verhindern.

Aus diesen Aktivitäten gingen zwei erfolglose Kandidaturen für das Bürgermeisteramt hervor. 2016 erreichte der Vater einer Tochter, der mit seiner Freundin zusammenlebt, sensationelle dreißig Prozent gegen die klar favorisierte Sozialistin Gabriela Firea, die auf 43

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